Wirtschaft : Deutsche Bank: Wechsel an der Spitze

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Der Schweizer Josef Ackermann wird 2002 neuer Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Er tritt damit die Nachfolge von Rolf Breuer an, dessen Vertrag zu diesem Zeitpunkt ausläuft. Breuer wird dann wahrscheinlich an die Spitze des Aufsichtsrates wechseln. Wie schon beim letzten Wechsel von Hilmar Kopper auf Breuer hat der Vorstand damit seinen neuen Sprecher frühzeitig gewählt. Damit will die Deutsche Bank nach Ansicht von Beobachtern alle Spekulationen über den Nachfolger von Breuer aus dem Markt nehmen und auf die Kontinuität in der Geschäftspolitik hinweisen. Ackermann, der für das Investmentgeschäft der Deutschen Bank zuständig ist, wird schon lange als Nachfolger Breuers gehandelt. Er wird der erste Ausländer an der Spitze einer deutschen Großbank sein.

Der 52jährige Ackermann wird schon seit über einem Jahr als Breuer-Nachfolger gehandelt. Als Verantwortlicher für das Investmentgeschäft leitet er die mittlerweile wichtigste Sparte der Bank. Im ersten Halbjahr brachte der Investmentbereich ein Vorsteuerergebnis von 2,4 Milliarden Euro und damit rund die Hälfte des Gesamtgewinns der Bank. Entsprechend stark ist Ackermanns Position. Im Frühjahr nach der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank war lange mit einem vorzeitigen Rücktritt Breuers und der Berufung Ackermanns gerechnet worden. Doch nachdem sich die Lage beruhigt hatte, die Halbjahres-Zahlen Gutes verhießen und nicht zuletzt der Aktienkurs auf neue Rekordhöhen kletterte, war von einer Ablösung Breuers keine Rede mehr.

Zumindest mit Blick auf die Person kommt der jetzt für Mai 2002 angekündigte Wechsel nicht überraschend. Allerdings sind etliche Beobachter erstaunt, dass der Vorstand den Wechsel an der Spitze mehr als eineinhalb Jahre vor dem eigentlichen Termin festmacht. Einziges Motiv ist nach übereinstimmender Auffassung von Analysten, dass die Bank allen Spekulationen über die Nachfolge den Boden entziehen will. In den letzten Wochen waren Gerüchte aufgetaucht, nicht Ackermann, sondern Vorstandskollege Thomas Fischer könnte zum neuen Chef gekürt werden. Doch an diesen Gerüchten war, wie sich jetzt zeigt, nichts dran.

Beobachter werten das frühzeitige Votum des Vorstandes auch als Rückenstärkung für Rolf Breuer. Er kann jetzt bis Mai 2002 am Ausbau des Instituts weiterarbeiten und möglicherweise in den USA nach der von ihm und Ackermann 1998 gemeinsam eingefädelten Übernahme von Bankers Trust doch noch einen weiteren Partner finden, nachdem ihm Credit Suisse die Investmentbank J. P. Morgan vor der Nase weggeschnappt hat. Auch wenn dies für Breuer ein Dämpfer gewesen sein mag, hat er seit seinem Amtsantritt im Mai 1997 die Bank gemeinsam mit Ackermann vor allem im Investmentbanking nach vorne gebracht.

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