Wirtschaft : Deutsche Bank will allein bleiben Josef Ackermann plant keine großen Zukäufe

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Frankfurt am Main - Ungeachtet der Welle von Großfusionen im Finanzsektor will die Deutsche Bank weiter ihren Weg alleine gehen. „Wir stehen nicht unter Zugzwang. Im Gegenteil: Wir sind stark genug, um das Wachstum der Bank aus eigener Kraft zu beschleunigen“, sagte Vorstandschef Josef Ackermann am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. „Größere Akquisitionen oder Fusionen stehen deshalb für uns derzeit nicht im Vordergrund.“ Die Bank schaut demnach nur auf kleinere Übernahmen. Auch dann werde man aber „nur richtig gute Gelegenheiten nutzen“.

Ackermann zufolge will die Deutsche Bank nach dem Rekordjahr 2006 spätestens 2008 einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro erreichen. 2006 waren es bereits 8,1 Milliarden, im ersten Quartal 2007 wurde ein Rekordwert von 3,2 Milliarden Euro erreicht. „Wir haben nur ein Ziel“, sagte Ackermann. „Den Gipfel.“ Vor rund 5000 Aktionären betonte der Vorstandschef, dass der eingeschlagene Kurs der Bank stimme. Auch in Zukunft stünden Kosten- und Risikodisziplin, selektive Übernahmen und der Ausbau von Privatkundengeschäft, Vermögensverwaltung und Investmentbanking im Vordergrund. Im ersten Quartal habe die Bank weltweit zu den drei erfolgreichsten Investmentbanken gehört. Gemessen an den Erträgen sei die Bank insgesamt unter den besten zehn Instituten gewesen. Das schützt die Bank auch vor einer feindlichen Übernahme. Die sei für den aktuellen Börsenwert der Deutschen Bank von 62 Milliarden Euro nicht zu machen, sagte Ackermann. Da gehe es eher um 90 bis 100 Milliarden.

Mit der Übernahme von Norisbank und Berliner Bank habe man selber im vergangenen Jahr auch die Position im Heimatmarkt weiter gestärkt. „In Berlin haben wir jetzt einen Marktanteil von 15 Prozent.“ Ackermann erneuerte sein Bekenntnis zum Standort Deutschland.

Überschattet und in die Länge gezogen wurde die Hauptversammlung erneut durch Anwälte des ehemaligen Medienunternehmers Leo Kirch, der der Bank und Ex-Vorstandssprecher Rolf Breuer vorwirft, sein Unternehmen 2002 in den Ruin getrieben und von der Zerschlagung profitiert zu haben. Die Anwälte hatten indirekt bereits vor der Hauptversammlung dafür gesorgt, dass die Bank die Wahl von Aufsichtsratschef Clemens Börsig wiederholen lassen musste. ro

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