Wirtschaft : Deutsche Bank will mit Euro Geld verdienen

JOACHIM HOFER

Hohe Investitionen nötig, bevor die Kassen klingelnVON JOACHIM HOFER

BERLIN. Banken, Unternehmen und Softwarefirmen reiben sich die Hände: Die Einführung des Euro könnte in ganzen Branchen die Kassen klingeln lassen."Große Geschäftschancen für die Deutsche Bank" erwartet dabei Axel Wiesener, Mitglied der Geschäftsleitung des Instituts in Berlin.So will der Branchenführer in der Bundesrepublik beispielsweise das Rechnungswesen für Unternehmen, die sämtliche Euro-Aufgaben nicht intern lösen können, als neuen Geschäftszweig übernehmen. Vor dem erwarteten Reibach steht freilich die Investition: Um das eigene Unternehmen auf den gesamteuropäischen Kurs zu bringen, seien alleine in der Informationstechnologie 1000 Mannjahre notwendig, so Wiesener.Das heißt: 1000 Informatiker kümmern sich ein Jahr lang nur um die Umstellung auf den Euro.Über 1000 Computer-Anwendungen sind in dem Bankhaus für die Gemeinschaftswährung anzupassen.Und das weltweit: Die Software muß beispielsweise auch in New York eurofähig sein.Viel Zeit können sich die Programmierer nicht lassen: In genau 285 Arbeitstagen sei Startschuß für den Euro, rechnet Wiesener vor. Schon seit 1995 bereitet sich die Bank auf die Währungsunion vor.Ein Lenkungsausschuß koordiniert die Anstrengungen weltweit.Dabei müssen auch die Mitarbeiter für die Kundenbetreuung ausgebildet werden.Nicht alle Anstrengungen werden bis zur Einführung des Euro abgeschlossen, die Bilanz etwa wird erst zur Jahrtausendwende auch in der neuen Währung erstellt werden.Nicht zu vergessen der Aufwand, der mit der Einführung der neuen Noten und Münzen zusammenhängt, etwa die doppelte Bargeldhaltung, elektronische Kassen und Automaten müssen für beide Währungen verfügbar sein. Mit Vorträgen, Broschüren und einem Euro-Workshop versucht die Deutsche Bank ihre Unternehmenskunden auf die Änderungen einzustimmen - ein bislang unentgeltliches Angebot.70 Prozent der einheimischen Firmen hätten sich mit der Umstellung bereits eingehender befaßt, so Wiesener.Der Berliner Maschinenbauer Bekum gehört zu diesen Betrieben.Nach Einschätzung von Firmenvertreter Dietrich Pertschy müssen sich Unternehmen bis zum Jahresende entscheiden, ob sie eine neue EDV wegen Euroeinführung und Jahrtausendwechsel einführen.In dem weltweit agierenden Unternehmen, das Kunststoffmaschinen herstellt, mit 90 Mill.DM Umsatz und rund 230 Mitarbietern, würde mindestens ein sechsstelliger Betrag für die Euroumstellung anfallen.Bei Soft- und Hardware sei besonders die Anpassung an die Unternehmensbedürfnisse schwierig.Weitere Probleme verursache die genaue Umrechnung des Euro in Deutschland auf sechs Stellen nach dem Komma.Dafür würde erheblicher Speicherplatz notwendig. Pertschy hält die Euroumstellung ohne externe Dienstleister für nahezu unmöglich.Experten seien vor allem bei der Vernetzung des Unternehmens notwendig. Während sich viele Unternehmen auf gutem Weg in Richtung Euro sehen, scheinen sich die Kommunen weniger Gedanken über die Zukunft des Geldes zu machen.Nach Angaben der Deutschen Bank hat sich bislang nur ein Viertel der Städte und Gemeinden mit dem Euro beschäftigt.Und auch die Finanzverwaltungen würden hinterherhinken.

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