Wirtschaft : Deutsche Bank will schlanker werden

Als Universalbank nicht mehr auf allen Geschäftsfeldern vertreten

Frankfurt (Main) (ro).Die Deutsche Bank wird in Zukunft nicht mehr auf allen Feldern des Bankgeschäftes vertreten sein."Die moderne Universalbank, die unseren Namen tragen soll, wird nicht mehr überall und jederzeit jedes Produkt anbieten", meinte Hilmar Kopper bei seinem letzten Auftritt als Vorstandssprecher auf der Hauptversammlung in Frankfurt.Kopper beendet mit Ablauf der Hauptversammlung nach siebeneinhalb Jahren seine Arbeit als Vorstandssprecher und rückt an die Spitze des Aufsichtsrates.Nachfolger als Sprecher wird Vorstandsmitglied Rolf E.Breuer. Es müsse geprüft werden, so Kopper weiter, ob die 31 Geschäfts- und Servicefelder, die derzeit bearbeitet und auf die kostbare Ressourcen verteilt würden, den notwendigen und nachhaltigen Beitrag zur Gesamtstrategie des Konzerns leisten würden."Für einen guten Preis muß man auch erfolgreiche Geschäfte aufgeben dürfen".Konkrete Hinweise machte Kopper allerdings nicht. Noch in diesem Jahrzehnt will die Deutsche Bank eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern und eine Aufwands/Ertragsrelation von deutlich unter 70 Prozent erreichen.Im vergangenen Jahr lag die Rendite bei 17,1 Prozent.Für Kopper sind etwa die Ergebnisse im Unternehmensbereich Privat- und Geschäftskunden noch nicht überall zufriedenstellend, weil der Aufwand zu hoch ist.Deswegen werden die Aufgaben neu verteilt und der Vertrieb verstärkt.Die Bank 24 und die Banking-Shops seien Beispiele des Umbruchs.Insgesamt, so Kopper, sei es ein alter Irrtum zu glauben, Kostensenkung und Vertriebssteigerung schlössen sich aus.Der scheidende Vorstandssprecher betonte erneut die Bedeutung des Investmentbankings."Wenn die Deutsche Bank stark bleiben und stärker werden will, auch ertragsstärker, hat sie keine andere Wahl, als ihr Engagement im Investmentbanking auszubauen." Man sei auf diesem Weg gut vorangekommen.All dies betrachtet Kopper allerdings als vorläufige Standortbestimmung."Die Bankenwelt wird kräftig durchgeschüttelt.Noch kann niemand sagen, wie sie in fünf Jahren aussehen wird." Kopper verteidigte auf der sehr ruhigen Hauptversammlung vor rund 4000 Aktionären noch einmal die Unterstützung der Thyssen- Übernahmeofferte für Krupp.Übernahmen könnten ein Mittel der Modernisierung sein.Damit setze Investmentbanking die Kräfte frei, die den Strukturwandel einer Gesellschaft in Gang setzten und beschleunigten.Die heftige Kritik der Öffentlichkeit an dem Vorgehen der Bank im Fall Thyssen/Krupp führt Kopper auf den zu niedrigen Kenntnisstand über Aufgabe und Rolle einer Investmentbank zurück."Zweitens wird in der Aufgeregtheit der deutschen öffentlichen Meinung Gehör nur schwer gefunden".Schließlich aber sei der Ausgang des Falles zufriedenstellend.Denn die Ruhrstahl AG wäre, so Kopper, ohne den Druck einer Übernahme nicht zustande gekommen. Kopper wies einmal mehr Kritik an den Bankengewinnen, der angeblichen Macht der Banken und ihrer Risikoscheu zurück.Die Deutsche Bank wolle vielmehr dazubeitragen, "daß Deutschland von einem abschüssigen Weg herunterfindet." Kopper dankte dem nach 47 Jahren aus den Diensten der Bank ausscheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Wilhelm Christians für sein Engagement.Er sei der Garant dafür, daß die Deutsche Bank trotz aller Neuerungen doch immer auch die alte sei.Christians wiederum dankte, wie auch viele der anwesenden Aktionäre, Kopper.Er habe die Bank und die Mitarbeiter, aber vor allem sich selbst am wenigsten geschont, sagte Christians.Er habe deutliche Wegmarken gesetzt und durch seine Standfestigkeit immer wieder beeindruckt. Auch mit den Zahlen für das erste Quartal konnte Kopper beeindrucken.Von Januar bis März kletterte das Betriebsergebnis der Deutschen Bank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 1,37 Mrd.DM.Der Gewinn vor Steuern stieg sogar um 28 Prozent auf 1,29 Mrd.DM.Damit liegt die Deutsche Bank wieder auf Rekordkurs, auch wenn Kopper davor warnte, diese Zahlen einfach nur mit vier zu multiplizieren. Ertragsmotoren waren der Eigenhandel, dessen Ergebnis um 43,6 Prozent auf gut 1 Mrd.DM verbessert wurde, sowie der Provisionsüberschuß, der im vergleich zum Vorjahresquartal um 18,1 Prozent auf knapp knapp 2 Mrd.DM zulegte.Der Zinsüberschuß nahm um 4,1 Prozent auf 2,8 Mrd.DM zu, aber auch der Verwaltungsaufwand kletterte kräftig um 15,3 Prozent auf 4,3 Mrd.DM.In die Risikovorsorge ließ die Deutsche Bank 288 Mill.DM fließen, 29,1 Prozent weniger als im ersten Vierteljahr 1996. Vom neuen Vorstandssprecher Breuer wird erwartet, daß er Ertragskraft und Aktienkurs der Deutschen Bank weiter steigert und an internationale Standards heranführt.Ein Schwerpunkt wird neben höherer Wettbewerbsfähigkeit im Inland das internationale Investmentbanking (Wertpapiere und Unternehmensbeteiligungen) sein.Hier will Breuer den Abstand zur führenden US-Konkurrenz verkleinern. Der 59jährige soll dabei Imagepannen wie bei der gescheiterten Totalübernahme von Thyssen durch Krupp-Hoesch künftig vermeiden.Breuer war vehementer Verfechter der Konzernfusion an der Ruhr und handelte sich noch vor Amtsantritt den Ruf einer gewissen sozialen Kälte ein.Der promovierte Jurist begann seine Laufbahn bei der Deutschen Bank 1956 als Lehrling.

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