Deutsche Bank : Wird es einen Rückzug aus dem Privatkundengeschäft geben?

Die Deutsche Bank ist im Umbruch. Wohin die Reise genau geht, ist noch offen. Radikale Einschnitte im Privatkundengeschäft sind nicht ausgeschlossen, diskutiert wird gar ein Ausstieg. Es gibt aber auch andere Varianten.

Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro ist die Deutsche Bank in Frankfurt am Main das größte - und mächtigste - Geldhaus Deutschlands. Sie hat 98.800 Mitarbeiter in 74 Ländern, davon 46 600 in Deutschland. Am Standort Berlin arbeiten 3700 Menschen. Die Aufsichtsbehörden haben das Unternehmen als "systemrelevant" eingestuft, weshalb die Bank einen extragroßen Kapitalpuffer für Notfälle anlegen musste. Eine Pleite hätte dramatische Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Betroffen wären nicht nur deutsche Sparer und Unternehmen. Auch internationale Konzerne finanzieren sich über die Bank, genauso andere Banken und Staaten. Von derart großen und vernetzten Instituten gibt es höchstens 30 auf der Welt.
Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro ist die Deutsche Bank in Frankfurt am Main das größte - und mächtigste - Geldhaus...Foto: Reuters

Die Deutsche Bank steht Presseberichten zufolge vor tiefgreifenden Einschnitten. Der radikalste Vorschlag in der Debatte über die künftige Ausrichtung des Dax-Konzerns sehe die Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts vor, berichteten mehrere Zeitungen am Montag übereinstimmend. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat am Freitag drei Modelle vorgestellt. Entschieden werden solle spätestens bis zur Hauptversammlung am 21. Mai.

Die Deutsche Bank in Frankfurt kommentierte die Berichte nicht. Ein Sprecher bekräftigte lediglich, das Institut arbeite mit Nachdruck an der neuen Strategie, die im zweiten Quartal vorgestellt werden solle.
Seit Wochen feilt das Deutsche-Bank-Management am künftigen Kurs des größten deutschen Geldhauses. Dabei soll ohne Tabus geprüft werden, auf welche Geschäfte sich das Institut künftig konzentriert und was angesichts schwacher Gewinne sowie immer strengerer Regeln und Kapitalanforderungen nicht mehr gemacht wird. Zuletzt gab es dabei immer wieder Spekulationen über die Zukunft der Postbank.

Variante 1: Erhalt der Universalbank mit Sparkurs

Die erste der drei Optionen sieht den Berichten zufolge nun vor, dass die Grundstruktur als Universalbank erhalten bleibt und die Deutsche Bank weiterhin praktisch alle Geschäfte vom Privatkundengeschäft bis zum Investmentbanking betreibt. Für diesen Fall sei ein erneuter Sparkurs vorgesehen. Unter anderem würde dann die Postbank, die immer noch als eigenständige Tochter an der Börse notiert ist, komplett in den Konzern integriert, um Doppelstrukturen abzubauen.

Die Deutsche Bank - eine Geschichte in Bildern
Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro ist die Deutsche Bank in Frankfurt am Main das größte - und mächtigste - Geldhaus Deutschlands. Sie hat 98.800 Mitarbeiter in 74 Ländern, davon 46 600 in Deutschland. Am Standort Berlin arbeiten 3700 Menschen. Die Aufsichtsbehörden haben das Unternehmen als "systemrelevant" eingestuft, weshalb die Bank einen extragroßen Kapitalpuffer für Notfälle anlegen musste. Eine Pleite hätte dramatische Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Betroffen wären nicht nur deutsche Sparer und Unternehmen. Auch internationale Konzerne finanzieren sich über die Bank, genauso andere Banken und Staaten. Von derart großen und vernetzten Instituten gibt es höchstens 30 auf der Welt.Weitere Bilder anzeigen
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20.02.2014 18:12Mit einer Bilanzsumme von 1,5 Billionen Euro ist die Deutsche Bank in Frankfurt am Main das größte - und mächtigste - Geldhaus...

Variante 2: Verkauf der Postbank und schrumpfendes Investmentgeschäft

Variante zwei beinhaltet den Berichten zufolge schnellere Einschnitte. Laut „Süddeutscher Zeitung“ und „Welt“ würde dabei die Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro rasch um 400 Milliarden Euro verkleinert. Die Postbank würde verkauft oder große Anteile der Bonner Tochter würden wieder an die Börse gebracht. Aber auch das Investmentbanking müsste um 150 Milliarden Euro schrumpfen.

Variante 3: Rückzug aus dem Privatkundengeschäft

Der klarste Schritt wäre die Aufspaltung der Bank und der Rückzug aus dem Privatkundengeschäft. Dieses könnte in einer neuen Gesellschaft mit den Marken Postbank und Deutsche Bank an die Börse gebracht werden. Übrig blieben in der Deutschen Bank das Investmentbanking, das Zahlungsverkehrsgeschäft und die Vermögensverwaltung.

Laut „Welt“ favorisieren Arbeitnehmervertreter die dritte Variante, weil damit dramatische Einschnitte bei Produkten und Arbeitsplätzen wohl ausblieben. Das „Handelsblatt“ schreibt, dies sei intern das bevorzugte Modell. Allerdings würde dem Gesamtkonzern dann künftig die Einlagen der Privatkunden als wichtige und besonders stabil geltende Refinanzierungsquelle fehlen. (dpa)

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