Deutsche Bank : Zwischenbilanz mit Kratzern

Die Deutsche Bank will im Jahr 2011 zehn Milliarden Euro verdienen. Mehr als die Hälfte davon hat sie bis Ende Juni schon eingenommen. Doch die Schuldenkrise hinterlässt Spuren.

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Zwei-Säulen-Modell. Die Bank hat künftig zwei Vorstandschefs, die die wichtigsten Geschäftsfelder vertreten – das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft.
Zwei-Säulen-Modell. Die Bank hat künftig zwei Vorstandschefs, die die wichtigsten Geschäftsfelder vertreten – das...Foto: dapd

Berlin - Wohin steuert die Deutsche Bank? Am Verlauf des Aktienkurses ließ sich am Dienstag gut ablesen, dass die Investoren noch nach einer Antwort suchen. Nicht nur die neue Doppelspitze im Vorstand, die der Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen bilden werden, wirft Fragen nach der künftigen Strategie der Bank auf. Auch die am Dienstag vorgelegten Geschäftszahlen waren nicht so eindeutig, wie es sich Analysten gewünscht hatten. Die Aktie drehte nach einem morgendlichen Kurssprung ins Minus – um am Abend wieder mit 0,7 Prozent im Plus zu stehen.

Freundlich aufgenommen wurde die Botschaft, dass Josef Ackermann Kurs auf das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte nimmt. Er bekräftigte das Ziel, 2011 erstmals im operativen Geschäft zehn Milliarden Euro vor Steuern zu verdienen. Mit 5,5 Milliarden Euro hat der deutsche Marktführer nach sechs Monaten schon mehr als die Hälfte davon erreicht. Doch Ackermann, der im kommenden Jahr an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln soll, setzte ein „Aber“ hinzu: Wegen der Euro-Schuldenkrise sei es schwerer geworden, warnte der Noch-Vorstandsvorsitzende. Und: Es sei nicht sicher, ob das Investmentbanking in diesem Jahr den erhofften Ergebnisbeitrag von mehr als 60 Prozent liefern könne.

Im zweiten Quartal konnte sich die Bank den Turbulenzen an den Märkten kaum entziehen. Ein dank der Postbank stärkeres Privatkundengeschäft machte die Rückgänge aber wett. Ackermann will die von Kritikern als „großes Kasino“ gegeißelte Deutsche Bank unabhängiger vom Investmentbanking machen und baut das Privatkundengeschäft aus.

Unter dem Strich verdiente die Bank von April bis Juni rund 1,2 Milliarden Euro. Das waren entgegen den Markterwartungen nur drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei belasteten überraschend hohe Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle vor allem bei der Postbank, was die Deutsche Bank mit Buchungsformalien erklärte.

Auf Anleihen des Pleitekandidaten Griechenland schrieb die Bank 155 Millionen Euro ab. Darin sind noch nicht die Auswirkungen des in der vergangenen Woche beschlossenen Rettungspakets enthalten, wie ein Sprecher erklärte. Die genauen Folgen einer freiwilligen Beteiligung an den Hilfen für Athen würden noch geprüft, heißt es im Quartalsbericht. Auch gegen weitere mögliche Rückschläge aus anderen kriselnden Euro-Staaten wappnete sich die Bank: Im ersten Halbjahr kappte das Institut sein Engagement in den von der Schuldenkrise betroffenen Ländern Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien um 70 Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro. Am deutlichsten reduzierte die Bank das Risiko in Italien: von acht Milliarden Ende 2010 auf 997 Millionen Euro Ende Juni 2011.

Erstmals schlug die neue deutsche Bankenabgabe mit 62 Millionen Euro zu Buche. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern damit, dass er 124 Millionen Euro an den Krisenfonds überweisen muss. Das Auffangnetz zur Vorsorge gegen künftige Schieflagen von Banken soll in einigen Jahrzehnten etwa 70 Milliarden Euro stark sein. Die Deutsche Bank hatte die Abgabe scharf kritisiert. mit dpa

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