Wirtschaft : Deutsche Banken fallen hinter die Konkurrenz zurück Keine günstigen Aussichten

GERHARD KUTSCHER (HB)

FRANKFURT (MAIN) .Die Kursentwicklung der Bankaktien in Europa wurde in den vergangenen Monaten weniger von den geschäftlichen Ergebnissen der einzelnen Häuser, sondern eher von Restrukturierungsmaßnahmen und angekündigten Fusionsplänen bestimmt.Dieses Urteil fällen Fachleute des PrivatbankhausesHauck & Aufhäuser in einer Studie, in der sie die Entwicklung der führenden Banken und ihrer Börsenbewertung unter die Lupe nehmen.Sie gehen davon aus, daß die deutschen Großbanken im Vergleich zu ihren europäischen und amerikanischen Wettbewerbern auch weiterhin eine schwächere Kursperformance aufweisen werden.Hauck & Aufhäuser rät daher zu einer Untergewichtung der deutschen und einer stärkeren Berücksichtigung europäischer Finanztitel, die im allgemeinen noch nicht überbewertet seien.

Andere europäische Banken haben seit Jahresbeginn zum Teil hohe zweistellige Kursgewinne eingefahren.Für die drei Frankfurter Großbanken errechnen sich bis Ende Mai dagegen nur Kursavancen zwischen zwei Prozent und 9,5 Prozent.Die schwache Kursperformance führte dazu, daß die deutschen Finanzkonzerne, gemessen an ihrer Börsenkapitalisierung, nicht mehr zur globalen Spitzengruppe zählen.

Die Analysten von Hauck & Aufhäuser verfolgen diese Entwicklung mit einiger Skepsis.Ihre Befürchtung: Die deutschen Banken könnten zu potentiellen Übernahmekandidaten werden.Der grenzüberschreitende Fusionsprozeß stehe erst an seinem Anfang; die Gefahr von Übernahmeattacken wachse.Ganz allgemein geben sie zu bedenken, daß mit länderübergreifenden Fusionen die Integrationsprobleme (unterschiedliche Kulturen, Umsetzung von Organisationsstrukturen und Synergieeffekten) auch die Kursvolatilität zunehmen dürfte.

Mit Blick auf die vier deutschen Institute weisen die Analysten der Privatbank darauf hin, daß der starke Gewinnanstieg im vergangenen Jahr auf Sondereinflüssen beruht (3,2 Mrd.DM Sonderausschüttung von DaimlerChrysler bei der Deutschen Bank; Beteiligungsverkäufe in Höhe von einer Mrd.DM bei der Dresdner Bank und in Höhe von 818 Mill.DM bei der Commerzbank; Verschmelzungsgewinn von 2,4 Mrd.DM bei der HypoVereinsbank).Außerdem heben sie hervor, daß die Restrukturierungen nur langsam vorankommen, wobei häufig eine klare strategische Ausrichtung fehle.Behindert werde der Konzentrationsprozeß durch die starre Bankenstruktur (öffentlich-rechtlicher, genossenschaftlicher und privater Bankensektor).Hinzu komme, daß die Eigenkapitalrendite noch nicht dem in Europa erreichten Standard entspreche und sich die Aufwandsrentabilität, trotz ständiger Beteuerungen, sie zu verbessern, weiter verschlechtert habe.

Zur Entwicklung im operativen Geschäft stellen die Analysten fest, daß sich der Margenverfall im Zinsgeschäft, zum Teil bedingt durch das Streben nach Qualitätsverbesserungen im Kreditportefeuille, fortsetze.Sie verweisen auf die hohen Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen und für Investitionen in die Informationstechnologie sowie die vergeblichen Bemühungen der Banken, den Anstieg der Verwaltungskosten in den Griff zu bekommen.Der zunehmende Wettbewerbsdruck dürfte auch weiterhin den Verwaltungsaufwand kräftig nach oben treiben, mutmaßen sie.Maßgeblich zur Verschlechterung der Aufwandsrentabilität habe der mit einem starken Anstieg der Personalaufwendungen und der IT-Kosten verbundene Ausbau des Investment Banking beigetragen, dem aber der absolut größte Gewinnbeitrag zu verdanken sei.

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