• Deutsche Banken können nur bedingt vom Ausland lernen Boston Consult verweist auf schwierige Rahmenbedingungen

Wirtschaft : Deutsche Banken können nur bedingt vom Ausland lernen Boston Consult verweist auf schwierige Rahmenbedingungen

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Frankfurt (Main) (pot/HB). Der Ruf deutscher Bankmanager hat in den vergangenen Jahren gelitten. Angesichts der massiven Ertragsprobleme – im vergangenen Jahr schrieben drei der vier privaten deutschen Großbanken rote Zahlen – halten ihnen Kritiker gerne die Erfolge der ausländischen Konkurrenz mit ihren Milliardengewinnen als leuchtendes Vorbild vor. Nun erhalten die Banker aber Rückendeckung von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), zumindest was das Privatkundengeschäft (Retailbanking) angeht.

Strukturelle Unterschiede der Bankenmärkte erklärten „über 70 Prozent des Ertragsrückstands“ der heimischen Institute gegenüber den ausländischen Konkurrenten, sagt BCGGeschäftsführer Claus Michalk, verantwortlich für das Retailbanking. Für die Banken heiße das: Eine simple Ausrichtung an ausländischen „Vorbildern“ würde nicht viel bringen. „Ausländische Anbieter einfach zu kopieren, ist kein zielführender Weg“, sagt Michalk.

Gleich drei Schlüsselfaktoren verhageln den deutschen Banken im Vergleich mit Spanien, Italien und Großbritannien die Bilanz: die geringe Nettozinsspanne, die hohen Arbeitskosten und das Finanzvermögen der Haushalte, das deutlich niedriger liegt als etwa in England. Alle drei Punkte sind für die Branche von immenser Bedeutung. Die Zinsspanne ist der wichtigste Erfolgsmaßstab im klassischen Kredit- und Einlagengeschäft, das Finanzvermögen der Haushalte ist für die Provisionseinnahmen entscheidend, und die Personalkosten sind der größte Kostenblock der Institute.

Bei den Personalkosten vorn

Wären diese Nachteile beseitigt, wären die deutschen Banken nach Berechnungen von BCG mit einer Aufwandsquote von rund 60 Prozent fast so effizient wie die besten Konkurrenten. Tatsächlich habe die Aufwandsquote im Privatkundengeschäft großer deutscher Banken und Sparkassen 2001 im Schnitt aber bei 94 Prozent gelegen – das heißt, für jeden Euro Umsatz entstehen Kosten von 94 Cent. Europäische Spitzenbanken liegen bei einer Quote von etwas mehr als 50 Prozent. Dass die Zinsspanne im Ausland um 15 Prozent bis 50 Prozent höher liegt als hier zu Lande, führt BCG auf den starken Wettbewerb vor allem im Einlagengeschäft zurück.

Bei den Personalkosten liegt Deutschland dagegen vorne. In Italien liegen die Arbeitskosten im Kreditgewerbe einschließlich der Sozialabgaben laut BCG gerade einmal bei 71 Prozent des deutschen Niveaus, in Spanien sogar nur bei 54 Prozent. Da die iberischen Großbanken BBVA und SCH in ihrem Heimatland außerdem noch einen hohen Marktanteil von rund 20 Prozent haben – die Deutsche Bank kommt auf etwas mehr als fünf Prozent – sei es wenig verwunderlich, dass sie gemeinsam mit den britischen Instituten europaweit zu den rentabelsten Retailbanken zählten, so BCG.

Dass die heimischen Bankmanager darüber hinaus auch Fehler gemacht haben, bestreitet in Frankfurter Finanzkreisen allerdings niemand. So wurde der harte Sparkurs, den die Branche derzeit steuert, viel zu spät eingeschlagen. Und Reiner Hoock, Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton, sagt, deutsche Banken könnten durchaus vom Ausland lernen. „Die Citibank und ING-Tochter Diba zeigen, dass man erfolgreiche Strategien aus dem Ausland in Deutschland implantieren kann“, sagt Hoock.

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