Wirtschaft : Deutsche Banken stehen trotz der Krise gut da

BERLIN (dr).Die deutschen Banken brauchen sich trotz der weltweiten Finanzkrise keine allzugroßen Sorgen zu machen.Diese Bilanz kann Wolfgang Antropoeus, als Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen in Berlin für das vergangene Jahr ziehen.Die Situation sei insgesamt zufriedenstellend und es habe nur eine Schieflage gegeben, die die Sparer bedroht habe.Obwohl in diesem Jahr die Risiken zugenommen hätten, könnten die Banken die Probleme durch Wertberichtigungen auffangen.Der Wertberichtigungsbedarf werde sich auf die Erträge auswirken.

Auf die Schwierigkeiten der sogenannten Hedge-Fonds eingehend, meinte Antropoeus, die Politiker müßten sich ernsthaft überlegen, wie solche hochspekulativen Anlagefonds gezügelt werden könnten.Vizepräsident Jochen Sanio bezeichnete den amerikanischen Risikofonds LTCM als eine "Zockerbude" die längst hätte geschlossen werden müssen.

Artopoeus mahnte die Kreditinstitute zudem, die Riskovorsorge ernster zu nehmen.Nach seinen Worten komme diese manches Mal zu kurz.Es gebe keinen Grund, die Aufsicht zu lockern."Die Risiken im Bankgeschäft haben durch die Globalisierung und den verschärften Wettbewerb, der sich bis auf die lokale Ebene auswirkt, erheblich zugenommen", sagte Artopoeus.Er beklagte gleichzeitig das "unverständliche Engagement" im Immobilienbereich.Durch die Vernetzung der Märkte und Bankensysteme sei die Ansteckungsgefahr enorm gewachsen.Die Schieflage des amerikanischen Risikofonds LTCM zeige, daß die Aufsicht für die großen, international operierenden Banken verstärkt werden müsse.Deutsche Banken hätten ihre Kredite an den Fonds ausreichend gesichert oder seien nur marginal beteiligt, hieß es.Ein weiterer Kritikpunkt des Präsidenten war die bisher nur geringe Vorbereitung auf die Umstellung der elektronischen Datenverarbeitung auf das Jahr 2000.Hier werde das Amt auch nicht zurückschrecken, Verantwortliche abzuberufen.Bei einer nicht rechtzeitigen Beseitigung des Problems drohten ernsthafte bankenaufsichtliche Konsequenzen, sagte der Präsident.Viele Institute hätten Fragen der Euro-Umstellung vorgezogen und die übrige Technik vernachlässigt.

Eine schlechte Nachricht mußte Artopoeus allerdings auch verkünden.So mußte die Beschwerdeabteilung des Amtes "abgespeckt" werden.Bisher sei das Aufsichtsamt den Beschwerden grundsätzlich in jedem Fall nachgegangen, fügte Artopoeus hinzu.Angesichts der notwendigen verstärkten Aufsicht über Kreditvergabe und Risikokontrolle insbesondere bei den großen Banken müsse das Amt aber jetzt "bei der Beschwerdebearbeitung abspecken", teilte er mit.

Seine 516 Mitarbeiter zählende Behörde sei ja "keine Verbraucherschutzzentrale" und könne wegen der wachsenden anderen Kontrollaufgaben nicht mehr so tief in private Fälle einsteigen.Sie werde nur noch in solchen Fällen an die Banken herantreten, bei denen die Beschwerde konkrete Anhaltspunkte gebe, daß ein Institut gegen bankenaufsichtliche Pflichten verstoßen haben könnte, oder auf mögliche Fehlentwicklungen hinweise, kündigte Artopoeus an.Die Zuständigkeit für alle Beschwerden, die nicht das Bauspar- oder Investmentwesen beträfen, würden in einem Referat konzentriert.

Im vergangenen Jahr konnte in 333 Fällen den Beschwerdeführern geholfen werden.208 Beschwerden führten bei den betroffenen Instituten zu Beanstandungen durch das Aufsichtsamt.Insgesamt gingen rund 3400 Beschwerden ein, die zu rund 90 Prozent zivilrechtlicher Natur waren, teilte das Bundesaufsichtsamt mit.

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