Wirtschaft : Deutsche Banken tangiert Bankrott kaum

HONGKONG / FRANKFURT (MAIN) (rtr).Die deutschen Banken haben nach eigenen Angaben nur unwesentliche Verluste aus dem zusammengebrochenen chinesischen Investmenthaus Gitic zu tragen.Die Dresdner Bank habe nur ein "unerhebliches Kreditengagement", teilte sie am Dienstag mit.Es handle sich um einen Betrag im unteren zweistelligen Millionen-Bereich, sagte ein Dresdner-Bank-Sprecher.Er wies zugleich Medienberichte zurück, wonach die Dresdner Bank unter den ausländischen Banken mit 102,7 Mill.DM das zweitgrößte Engagement bei Gitic habe.

Auch die Deutsche Bank und die Münchner HypoVereinsbank bezeichnete Ihr Engagement als "Minibetrag", der im einstelligen Millionen-Dollar-Bereich liege.

Mehrere Hongkonger Banken müssen hingegen erstmals in der Geschichte der Finanzmetropole mit hohen Verlusten rechnen.Mindestens sechs Banken könnten von dem Bankrott hart betroffen sein, hieß es in Bankkreisen.

China versucht nach dem größten Firmenzusammenbruch seit der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 offenbar den Schaden zu begrenzen.Die Bevölkerung wurde nur in regionalen Zeitungen über den Bankrott der Investmentgesellschaft Guangdong International Trust and Investment Corp (Gitic) unterrichtet.Gleichzeitig wurde den Anlegern versichert, ihre Einlagen seien nicht gefährdet.Sie würden von der Regierung der Provinz Guangdong, dem Eigentümer des zusammengebrochenen Fonds, abgesichert.

Über die Gründe des Zusammenbruchs wurden bislang weder die Bevölkerung noch die Gläubiger informiert.Unterdessen berichtete ein weiteres Unternehmen der Provinz, die Guangdon Enterprises (GDE), über Zahlungsschwierigkeiten.Die chinesische Regierung hatte am Sonntag die 240 Kreditgeber des Fonds darüber informiert, daß Gitic abgewickelt werde.Gitic war bereits im Oktober von der Zentralbank geschlossen worden, in der Zwischenzeit waren aber nur wenige Berichte über das angeschlagene Unternehmen nach außen gedrungen.

Die Schulden des Fonds summieren sich nach Angaben des mit der Abwicklung beauftragten Ausschusses auf 36,17 Mrd.Yuan (7,44 Mrd.DM).Dem stehen Vermögenswerte von lediglich 21,47 Mrd.Yuan gegenüber.Das Engagement des Fonds reicht von Finanzgeschäften, über die Investition in Hotels und Bürogebäude bis hin zu einer Beteiligung bei einem Autoreifen-Produzenten.Der Vorsitzende des mit dem Gitic-Konkurs beauftragten Ausschusses, Wu Jiesi, erklärte, aus- und inländische Gläubiger würden im Rahmen des Konkursverfahrens gleich behandelt.Von dem Zusammenbruch seien über 20 000 Privatanleger betroffen, erklärte Wu."Wenn damit nicht sorgfältig umgegangen wird, kann dies die soziale Stabilität gefährden." Die Regierung werde deshalb eine Finanzspritze von 779 Mill.Yuan zur Verfügung stellen, um einen Teil der Ansprüche der Privatanleger zu bedienen.

Nach Angaben der Börse in Hongkong kämpft auch das zweite Investitionsprojekt der Provinzregierung von Guangdong, die Guangdong Enterprises (GDE) mit finanziellen Schwierigkeiten.Die GDE-Tochter, Guangnan Holdings, könnten ihre im Januar fälligen Kredite in Höhe von 115 Mill.Dollar nicht bedienen.In einer Mitteilung des Unternehmens wurde der Schuldenstand zum Ende des vergangenen Jahres auf rund 391 Mill.Dollar (rund 665,8 Mill.DM) beziffert.

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