Wirtschaft : Deutsche Börse AG: Baisse ist spürbar

ro

Die Deutsche Börse AG, die Anfang Februar selbst den Gang auf das Parkett gewagt hat, zahlt ihren Aktionären für das Jahr 2000 nur eine Dividende von drei Euro. Damit schüttet sie lediglich 14 Prozent ihres Rekord-Konzerngewinns aus. Im vergangenen Jahr, als das Unternehmen noch nicht an der Börse notiert war, erhielten die damaligen Aktionäre noch den gesamten Jahresüberschuss. Finanzchef Mathias Hlubek begründete die Dividendenkürzung damit, dass die Ausschüttung des gesamten Gewinns nicht mit der Kapitalaufnahme an der Börse vereinbar sei.

Vorstandschef Werner Seifert will die Aktie der Deutsche Börse AG optisch leichter und attraktiver machen. Dazu soll die Hauptversammlung Anfang Mai über einen Aktiensplitt im Verhältnis zehn zu eins abstimmen. Dann würde das Papier gemessen am derzeitigen Kursniveau rund 34 Euro kosten. Große Fusionspläne hegt Seifert nach der im letzten Herbst geplatzten Fusion mit der Londoner Börse nicht. Vielmehr setzt der Börsenchef jetzt auf kleine Schritte. "Die Deutsche Börse wird sich nicht auf die größten Märkte wie London fokussieren." Der Manager favorisiert Kooperationen und Allianzen in Teilbereichen. "Mit etwa 20 Prozent des Aufwandes einer Fusion lassen sich durch Einbindung anderer Märkte - wie mit Wien, Dublin, Helsinki sowie Chicago erfolgreich vorgemacht - etwa 60 bis 70 Prozent aller ökonomischen Vorteile einer Fusion erzielen." Außerdem bleibe das nationale Element der Partnerbörsen erhalten. Konkrete Vorhaben nannte Seifert nicht.

Der Wettbewerb der Handelssysteme hält indes an. Deshalb will die Deutsche Börse AG die Preise und die Transparenz ihres Angebots künftig attraktiver gestalten. Auch bei den Handelszeiten werde sich das Unternehmen flexibel zeigen. Dabei denkt Seifert aber nicht nur an längere, sondern auch an kürzere Handelszeiten. Die Börse schaue sich dabei jedes einzelne Segment an. Längere Handelszeiten seien beispielsweise für US-Papiere sinnvoll. Gleichzeitig plant die Deutsche Börse AG, ihre Präsenz mit eigenen Handelsbildschirmen im Ausland auszubauen. Dies gilt vor allem für die USA und für Asien. Derzeit handeln 670 Teilnehmer aus 18 Ländern in Europa und Amerika direkt über das elektronische Handelssystem Xetra miteinander. Dies ist das weltgrößte Netz aller internationalen Börsen.

Das erfolgreiche Auslandsgeschäft war ein Grund dafür, dass die Deutsche Börse AG ihren Umsatz im vergangenen Jahr steigern konnte. Mit ihren mittlerweile rund 1000 Mitarbeitern erhöhte sie den Umsatz um 47 Prozent auf 702 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss kletterte ohne außerordentliche Erträge um 108 Prozent auf 146 Millionen Euro. Die Sondererträge eingerechnet gab es sogar ein Plus von 200 Prozent auf 220,5 Millionen Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Deutsche Börse AG eine ruhigere Entwicklung. Grund: Die Talfahrt der Aktienkurse und der damit verbundene Rückgang der Börsenaufträge der Anleger. Der Umsatz soll nur um zehn bis 15 Prozent, der Gewinn um rund 20 Prozent wachsen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben