Wirtschaft : Deutsche Börse AG: Prall gefüllte Kasse

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Mit einem Kurssprung um acht Prozent ist die Aktie der Deutsche Börse AG am Montag in den Handel gestartet. Bei 362 Euro wurde die erste Notiz auf dem Frankfurter Börsenparkett festgesetzt, 27 Euro über dem Emissionspreis von 335 Euro. Im Laufe des Tages kletterte der Kurs weiter. Angesichts dieser Entwicklung herrschte bei Börsenchef Werner G. Seifert Freude. Jetzt verfüge sein Unternehmen über eine wichtige Akquisitionswährung sowie eine prall gefüllte Kasse. Rund eine Milliarde Euro fließt der Börse durch den eigenen Börsengang zu. "Man sollte aber nicht erwarten, dass wir jetzt als erstes viel Geld in die Hand nehmen und eine andere Börse kaufen", sagte der Frankfurter Börsenchef.

Über eine Fortsetzung der Gespräche zwischen Deutscher Börse und der Londoner Börse LSE würde sich Seifert allerdings freuen. Die Gespräche seien nie unterbrochen worden, erklärte der Börsenchef, ohne näher auf das Scheitern der Fusionspläne einzugehen. Mit der Ernennung von Clara Furse zur neuen LSE-Chefin erhalte London wieder mehr Handlungsfähigkeit. Der Londoner Markt sei ein hoch attraktiver Markt, den die Deutsche Börse auch anvisiere. "Eine Zusammenarbeit mit der LSE ist dabei allerdings nicht die einzige Alternative." Rolf-E. Breuer, Aufsichtsratschef der Börse, gibt dagegen einer Neuauflage der Fusionsverhandlungen keine Chance. "Ein Zusammenschluss zwischen der Deutschen Börse und der LSE ist derzeit undenkbar", sagte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank dem Handelsblatt. Angesichts der "Kleinstaaterei bei den Börsen in Europa" müsse Frankfurt andere Prioritäten setzen, forderte Breuer.

Um 9 Uhr 32 leuchtete am Montag zum ersten Mal ein Kurs der Deutsche Börse-Aktie auf der Anzeigentafel des Frankfurter Börsensaals auf. Am Sonntag hatten Börsen und Emissionsbanken den endgültigen Preis der Aktie und die Zuteilung bekannt gegeben. Dabei kamen bei weitem nicht alle Anleger zum Zug, weder die institutionellen, noch die privaten. Die Emission war um das 23-fache überzeichnet. Allein die Nachfrage von Privatanlegern deckte das Angebot von rund 2,8 Millionen Aktien ab. Beim Ausgabepreis schöpft die Börse mit 335 Euro (umgerechnet 655 Mark) die oberste Grenze der Preisspanne aus. Damit bringt der Börsengang rund 1,1 Milliarden Euro, 980 Millionen Euro gehen an die Deutsche Börse. 20 Prozent der Aktien gehen an Privatanleger, 80 Prozent an institutionelle Anleger im In- und Ausland. Die neuen Aktionäre halten jetzt 27 Prozent des Kapitals der Börse, der Rest liegt weiter bei Banken, Regionalbörsen und Maklern.

Nur die Privatanleger, die weniger als fünf Aktien geordert haben, gehen leer aus. Wer zwischen fünf und 39 Papiere geordert hat, erhält drei Aktien, größere Orders werden mit einer Quote von zehn Prozent bedient. Nach Ansicht von Seifert ist dies ein faires Verfahren. "Wir wollten ganz bewusst nicht losen und damit den Börsengang in die Nähe der Sonnabendlotterie rücken."

Mit dem Geld hat der Börsenchef viele Pläne. "Unsere Schatzkammer an Ideen und daraus resultierenden Projekten ist so voll, dass wir vor dem Börsengang zum ersten Mal seit 1993 knapp an Kapital waren, um alles zu finanzieren". Der Kassamarkt soll jetzt europaweit erschlossen werden, und auch für den Neuen Markt will Seifert verstärkt ausländische Emittenten und Investoren finden. Die Terminbörse Eurex soll ihre Fühler noch stärker als bisher in den USA und nach Asien ausstrecken. Auch mit ihren System will die Börse expandieren bis hin zur Übernahme anderer Märkte. Gleichzeitig sollen elektronische Handelsplätze für verschiedene Industrien aufgebaut werden. Allein dafür sollen pro Jahr bis zu 30 Millionen Euro investiert werden. Ende Juni soll die Börsen-Aktie, die zurzeit einen Börsenwert von 3,4 Milliarden Euro hat, in den M-Dax aufgenommen werden.

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