Wirtschaft : Deutsche Börse macht Druck in London

Neue Verhandlungen zur Übernahme des Finanzplatzes am Donnerstag/Mehr Umsatz an deutschen Börsen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, legt im Übernahmekampf um die Londoner Börse (LSE) nach: An diesem Donnerstag werde Seifert mit LSE-Chefin Clara Furse zu weiteren Verhandlungen über einen Kauf der London Stock Exchange zusammentreffen, bestätigten Finanzkreise am Montag dem Tagesspiegel. Ob Seifert mit einem verbesserten Angebot nach London reist, ist aber offen. Im Dezember hatte die Deutsche Börse 5,30 Pfund je LSE-Aktie geboten. Analysten schließen nicht aus, dass Seifert auf sechs Pfund erhöht.

Die Deutsche Börse verhandelt mit der LSE, die das erste Angebot als zu niedrig ablehnte, seit einigen Wochen über eine Übernahme. Auch der Konkurrent Euronext, eine fusionierte Vierländerbörse, hat Interesse an dem Handelsplatz gezeigt, aber noch kein Angebot veröffentlicht. Die LSE gilt wegen ihrer einseitigen Ausrichtung als Übernahmekandidat. Die Deutsche Börse ist breiter aufgestellt: Neben dem klassischen Wertpapiergeschäft gehören zu dem Konzern auch die Bereiche Abwicklung und Verwahrung sowie die gemeinsam mit der Schweizer Börse betriebene Terminbörse Eurex – mit 1,07 Milliarden abgeschlossenen Kontrakten (2003: 1,01 Mrd Euro) die größte Börse ihrer Art weltweit.

Die Deutsche Börse betonte am Montag, sie werde ihre Struktur nicht aufgeben. Vor allem werde sie an ihrem Wertpapierabwickler Clearstream festhalten, den sie 2002 komplett übernommen hatte. „Wir werden Clearstream nicht aufgeben“, sagte ein Börsensprecher dem Tagesspiegel. Unabhängig von der Frage, wie die Chancen für eine Übernahme der LSE stünden, habe die Deutsche Börse keine Pläne, die Wertpapierabwicklung der beiden Handelsplätze zu verändern. LSE und Euronext nutzen beide den Wertpapierabwickler Euroclear, an dem Euronext eine Minderheitsbeteiligung hält. „Ein Wechsel des Dienstleisters wäre für die Kunden viel zu teuer“, sagte der Börsensprecher.

Werner Seifert kann in London eine Erfolgsbilanz präsentieren: An den deutschen Börsen sind insgesamt im vergangenen Jahr wieder mehr Wertpapiere gehandelt worden. Dabei entfielen zuletzt 97 Prozent des Handels in deutschen Aktien auf das computergestützte Xetra-System und das Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Wertpapierumsatz an allen deutschen Börsen stieg 2004 auf 3,3 Billionen Euro (2003: 3,2 Billionen Euro).

Wie die Deutsche Börse am Montag mitteilte, entfielen davon rund 2,6 Billionen Euro auf Aktien, Optionsscheine und Exchange Traded Funds sowie rund 710 Milliarden Euro auf Renten. Im Dezember wurden nach der Gesamtumsatzstatistik 269,8 Milliarden Euro umgesetzt – ein Zuwachs von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Umsatzstärkster Dax-Titel auf Xetra war im Dezember die Deutsche Telekom mit 6,6 Milliarden Euro.

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