Wirtschaft : Deutsche Börse nimmt MDax unter die Lupe

Nebenwerte-Index wird überprüft / Pro Sieben könnte aufrücken

FRANKFURT (MAIN)(rtr).Der seit einem halben Jahr an der Börse notierte deutsche Fernsehsender Pro Sieben Media AG hat gute Chancen in Kürze in die Berechnung des Mid-Cap-Index (MDax) der Börse einzufließen.Pro Sieben erfüllt sämtliche rechnerischen Kriterien und hat den Übernahme-Kodex der Börse anerkannt, wie die Börse kürzlich mitteilte.Am Dienstag wird der Vorstand der Deutschen Börse die Zusammensetzung des Kursbarometers für die 70 Unternehmen überprüfen, die nach den 30 Dax-Standardwerten die größten in Deutschland sind.Die Dax-Zusammensetzung steht nicht auf der Tagesordnung. Die Entscheidungen werden am 23.März umgesetzt, doch dürfte sie schon vorher an der Börse die Kurse der betroffenen Unternehmen beeinflussen.Der Börse zufolge hatte Pro Sieben per Ultimo 1997 nach Umsatz Rang 50 und nach Marktkapitalisierung Rang 76 unter den 100 Dax- und MDax-Unternehmen erreicht. Primäres Auswahlkriterium für die Aufnahme in den MDax ist die sogenannten 110/110 Regel.Danach kann ein Wert in den Index aufgenommen werden, wenn er den beiden Kriterien zufolge zu den 110 größten Firmen zählt.Umgekehrt kann eine Gesellschaft ersetzt werden, die nach einem der beiden Kriterien nicht mehr dazu zählt.Zu diesen rein rechnerischen Kriterien werden auch Aspekte wie die Branchenzugehörigkeit bewertet.Zudem sollten weniger als 75 Prozent des Kapitals in Festbesitz eines Großaktionärs sein.Bei mehreren Großaktionären beträgt die Größe 85 Prozent. Auch wenn die Dax-Zusammensetzung nicht auf der Tagesliste der Börse steht, so hat doch die schon angekündigte Dax-Aufnahme der Adidas AG nach der Fusion der bayerischen Großbanken voraussichtlich in diesem Frühjahr Auswirkung auf die MDax-Überprüfung.Die Börse kann somit neben den möglichen Absteigern einen Nachfolgekandidaten für Adidas benennen.Ähnliches gilt nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank Global Equities für die Fusion von Dax-Wert Thyssen mit dem MDax-Wert Krupp-Hoesch voraussichtlich im laufenden Jahr. Rein rechnerisch sind nach Pro Sieben DSL, die Phoenix AG und WCM Beteiligung und Grundbesitz AG die wahrscheinlichsten Kandidaten für den MDax.Wahrscheinlichster Absteiger ist den rechnerischen Kriterien zufolge Felten + Guilleaume.Die Commerzbank hält zudem auch einen Ausschluß von PWA für möglich, die inswischen zu 93 Prozent in der Hand des schwedischen Großaktionräs SCA (Svenska Cullulosa) sind.Zusammenfassend erwartet die Commerzbank von der Börse, daß sie zwei Titel neu aufnimmt, zwei Titel (PWA und Felten + Guilleaume) ausschließt und die Nachrücker für Adidas und sogar möglicherweise Krupp benennt, die dann im Jahresverlauf in den MDax aufsteigen würden.Auf Basis der Auswahlkriterien sei neben der Pro Sieben-Aufnahme das Aufrücken von WCM in den MDAx sinnvoll.Bei der DSL-Holding, die die rechnerischen Kriterein ebenfalls erfüllt, sei aufgrund der noch offenen Fragen beim Börsengang der Postbank mit einer abwartenden Haltung zu rechnen. Als Nachrücker für Adidas empfiehlt die Commerzbank in iher Studie zum MDax Heidelberger Druck, die erst seit Dezember 1997 an der Börse sind.Das Unternehmen müsse aber noch den Übername-Kodex der Börse akzeptieren, womit die Commerzbank rechnet.Sollte dies nicht vorliegen wäre Phoenix der erste Nachrücker.Phoenix wäre auch für den Fall einer Thyssen/Krupp-Fusion der Aufrücker, sollte Heidelberger Druck für Adidas schon im MDax sein.

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