Wirtschaft : Deutsche Börse streckt die Hand aus

Kooperation mit den regionalen Plätzen angestrebt FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Deutsche Börse AG (DBAG) in Frankfurt (Main) will die Arbeitsteilung mit den Regionalbörsen nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Werner Seifert auf eine "neue, wirkungsvolle Grundlage" stellen.Die kleineren Börsenplätze, die ihre Zukunft im Parketthandel sähen, wolle man auf diesem Weg unterstützen und ihnen Zugang zu den Börsenabwicklungssystemen Boss und Böga ermöglichen.Wie die Regionalbörsen am Computersystem Xetra beteiligt werden, ist weiter offen.Im Mai werde würden die Gespräche fortgesetzt, betonte Seifert auf der Bilanzpressekonferenz. Seifert rückt damit von dem lange durchgehaltenen Konfliktkurs mit den kleineren Börsen ab.Wie die neue Arbeitsteilung aussehen könnte, ließ er allerdings offen.Genau wie die Frage, ob die Handelszeiten auf dem Parkett auch in Frankfurt, wie etwa in Stuttgart und Berlin, ausgedehnt werden.Beim Neuen Markt, dem Börsensegment für junge Unternehmen, hat sich die Verlängerung des Handels seit 1.April und die Möglichkeit, auch eine Aktie zu handeln, bereits bewährt."In nur zwei Tagen haben wir unseren Marktanteil verdoppelt", betont Seifert. Während die neue Arbeitsteilung mit den Regionalbörsen noch mit Leben gefüllt werden muß, hat Seifert die internationale Strategie der "Hochleistungsorganisation" Deutsche Börse AG längst festgelegt.Die Schaffung der ersten grenzüberschreitenden Börse Eurex sei festgezurrt, die Allianz mit der Börse in Paris stehe, es gebe einen Brückenschlag zur Börse in Chicago und seit Neuestem auch eine Kooperation mit der Wiener Börse, die an das Computersystem Xetra angeschlossen wird.Mittlerweile, so Seifert, sei die DBAG Systemführer und damit Preisführer in allen relevanten europäischen Märkten für Börsendienstleistungen. Seit 1993 haben die Frankfurter die Preise im Schnitt um 30 bis 40 Prozent gesenkt.Als weitere wichtige Schritte nach vorne betrachtet Seifert den 1997 gestarteten Neuen Markt, das Börsensegment für junge, innovative Unternehmen, und die Einführung des weltweit modernsten elektronischen Handelssystems Xetra. Für den eigenen Weg der DBAG an die Börse - Aktionäre sind derzeit Großbanken, Makler und die Regionalbörsen, sieht Seifert das Unternehmen zwar fähig, aber derzeit nicht willig.Die Eigenkapitalausstattung sei derzeit so komfortabel, daß überhaupt keine Notwendigkeit bestehe, Fremdkapital aufzunehmen.Im Gegenteil: Es gibt sogar Überlegungen, das Eigenkapital zu reduzieren.Wie das geschehen könnte ist allerdings noch offen. Dank der eigenen Geschäftspolitik, aber auch dank der hervorragenden Entwicklung der Börsen konnte die DBAG 1997 Umsatz und Gewinn deutlich steigern.Der Umsatz kletterte um 15 Prozent auf 666 Mill.DM, der Jahresüberschuß erhöhte sich gar um 173 Prozent auf 68,4 Mill.DM.Die Aktionäre erhalten eine unveränderte Dividende von acht DM und zusätzlich eine Sonderausschüttung von 15 DM je Aktie.Im Vorjahr waren es 14 DM.Angesichts der guten Geschäfte stieg auch die Zahl der Mitarbeiter um 60 auf rund 1150.Für 1998 erwartet Seifert erneut ein gutes Ergebnis.Selbst dann, wenn die gute Entwicklung an den Börsen nicht anhalten sollte."Wir sind gut vorbereitet auf umsatzschwächere Zeiten und längst nicht mehr so abhängig von einer guten Börse wie vor fünf Jahren."

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben