Deutsche Börse und Nyse : Aus Gegnern sollen Freunde werden

Deutsche Börse und Nyse Euronext wollen sich zur größten Börse der Welt zusammenschließen. Der spektakuläre Schritt zeigt, wie getrieben die Branche ist. Doch einfach wird die Fusion nicht über die Bühne gehen.

Duncan Niederauer (M), Chef der New York Stock Exchange (NYSE) Euronext, auf dem Parkett der New Yorker Börse.
Duncan Niederauer (M), Chef der New York Stock Exchange (NYSE) Euronext, auf dem Parkett der New Yorker Börse.Foto: dpa

Die Nachricht schlug am Mittwoch ein wie eine Bombe: Die Deutsche Börse und die Nyse Euronext wollen sich zusammenschließen. Die größte Börse der Welt soll dabei entstehen – sowohl nach Handelsvolumen als auch nach Marktkapitalisierung der Börsenbetreiber selbst und der bei ihnen gelisteten Unternehmen.

Mittwochabend bestätigten die beiden Handelsbetreiber Gespräche über eine mögliche Fusion. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, hieß es. Voraussetzung für den Deal wäre dann nur noch, dass die Aktionäre beider Parteien zustimmen, die Aufsichtsbehörden nichts dagegen haben und die Politiker nicht querschießen.

Und so sollen aus zwei Gegenspielern Freunde werden: Wenn es künftig um den Börsenhandel in der Welt geht, führt an den Büros von Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Duncan Niederauer von der Nyse Euronext kein Weg vorbei. Der gebürtige Schweizer Francioni und der Amerikaner Niederauer haben sich gegenseitig versprochen, den neuen Riesen gemeinsam zu gründen und zu leiten.

Der Masterplan sieht so aus: Niederauer rückt an die operative Spitze des Unternehmens, Reto Francioni, bislang Chef der Deutschen Börse, wird Chef des Verwaltungsrats. Beide Zentralen, New York und Frankfurt, bleiben erhalten.

Das Geschäft soll im Rahmen eines Aktientauschs abgewickelt werden; nach einer Transaktion hielten die Aktionäre der Deutschen Börse rund 60 Prozent der Anteile, die Eigner von Nyse Euronext bekämen den Rest. Offen ist, ob Geld fließen wird. Möglicherweise bekommen die Altaktionäre der Nyse eine Prämie. Von dem Zusammenschluss erwarten sich beide Unternehmen Synergieeffekte von rund 300 Millionen Euro.

Experten lobten die Pläne. „Die Branche braucht Konsolidierung“, sagte Joseph Greco, Managing Director bei Meridien Equity Partners in New York. „Die Zeiten erinnern an Darwin: Der Stärkste überlebt“, sagte Michael Holland, Chairman vom Vermögensverwalter Holland & Co. Ein Händler in Frankfurt sagte: „Das ist so, als wenn Inter Mailand und Real Madrid fusionieren, das ist ein totaler Hammer“.

Skeptisch ist manch einer allerdings, ob die geplante Fusion so einfach über die Bühne geht. „Die Frage ist, ob die Anteilseigner der Nyse damit glücklich sind, dass die Eigner der Frankfurter Börse das Übergewicht haben. Nationale Befindlichkeiten spielen bei Börsen immer noch eine Rolle“, sagt Richard Repetto, Analyst bei Sandler O'Neill. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die Deutsche Börse deshalb einen Aufschlag zahlen. Andere Experten warnen davor, dass die Aufsichtsbehörden querschießen könnten, weil sie den jeweiligen Finanzplatz gefährdet sehen.

Auf jeden Fall dürfte die Fusion die Konkurrenz aus Großbritannien härter treffen als Frankfurt. Wenige Stunden vor den Deutschen hatte die Londoner Börse LSE am Mittwoch angekündigt, mit der Börse Toronto (TMX) gemeinsame Sache machen zu wollen. LSE-Chef Xavier Rolet sprach von einem Schutzwall gegen die Konkurrenz. Den kann er nun vergessen. Gegen die geballte Macht von Nyse Euronext und Deutscher Börse ist die britisch-kanadische Allianz ein Leichtgewicht.

Interessanterweise fällt die Ankündigungen der beiden Fusionen mit einer weiteren sich anbahnenden Freundschaft zusammen: Am Donnerstag läuft die offizielle Bieterfrist für die alternative Handelsplattform Chi-X ab. Die besten Karten hat Bats, die zweite große alternative Handelsplattform. In Finanzkreisen allerdings heißt es, es komme zu leichten Verzögerungen. Problematisch könnte vor allem die ehrgeizige Bewertung für Chi-X werden, die bei gut 300 Millionen Dollar liegen soll.

Handelsumsätze und Margen fielen seit langem. Die Börsen versuchten, das auszugleichen, in dem sie ihre Handelsumsätze zusammenwerfen und gleichzeitig die Kosten senken. Letztlich dürften nur drei bis fünf große Konzerne übrigbleiben – falls die eine oder andere Freundschaft nicht doch wieder zerbricht.

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Quelle. Handelsblatt

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