Wirtschaft : Deutsche Börse: Vertrauen verspielt

Daniel Rhee-Piening

Man stelle sich einmal folgendes Szenario vor: Es wäre tatsächlich zu der Fusion der Börsen in Frankfurt und London gekommen. Die schweren Dax-Titel würden dann in London gehandelt, Frankfurt hätte das Wachstumssegment, also den Neuen Markt abbekommen. Ein Schreckensszenario für die Deutsche Börse, denn am Main wäre nur ein Trümmerhaufen übriggeblieben. Aber auch so ist das Fiasko groß genug. Ursache der abstürzenden Kurse ist nicht mehr allein die weltweite Konjunkturentwicklung. Die Kursentwicklung am Neuen Markt beginnt sich von der Entwicklung an der US-amerikanischen Nasdaq abzukoppeln. Das ist ein Hinweis darauf, dass es auch spezifisch deutsche Probleme gibt. Das Vertrauen der institutionellen Anleger in Teile des Finanzplatzes Deutschland ist erschüttert. Sie fordern schon seit langem strengere Vorschriften und deren Durchsetzung. Doch ob dies das Vertrauen in den Neuen Markt wieder herstellt? Immerhin häufen sich die Strafen, die die Börse verhängt, häufen sich auch die Verfahren bei den Staatsanwaltschaften. Aber hilft dies gegen kriminelle Energie, die man dem ein oder anderen Vorstand leider unterstellen muss? Einstweilen kehren Fonds und Versicherungen dem Segment den Rücken. Und die Privatanleger? Sie bleiben unter sich und ihnen wird demonstriert, dass alle ihre Vorurteile über die BÖrse durchaus ihre Berechtigung hatten. Das ist ein schwerer Schlag für die Aktienkultur. Ein harter Kern solider Unternehmen, die gute Wachstumsaussichten haben und vom Markt fair bewertet werden, wird übrig bleiben. Auf ihnen ruhen die Hoffnungen. Und die Anleger werden einmal mehr erfahren, dass Geld erarbeitet werden muss.

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