Deutsche Börse : Viermetz räumt Aufsichtsratsposten

Die Finanzkrise fordert ein nächstes Opfer: Nach seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate nimmt Kurt Viermetz nun auch als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse seinen Hut.

Viermetz
Nun muss er auch den Aufsichtsrat verlassen: Kurt Viermetz. -Foto: Viermetz

Frankfurt am MainDer Entschluss, vom Aufsichtsratsposten zurückzutreten, habe bereits seit längerem festgestanden, sagte Viermetz laut der Mitteilung. Er wolle einen "Generationswechsel" einleiten. Wirksam werde der Rückzug zum 8. Dezember - regulär lief sein Mandat noch bis Mai 2009.

Der 69-Jährige war in den vergangenen Wochen zunehmend unter Druck geraten: Bei der Deutschen Börse arbeiteten die mächtigen Großaktionäre TCI und Atticus Capital auf eine Ablösung von Viermetz als Aufsichtsratschef hin. Die Hedge-Fonds verlangten dazu eine außerordentliche Hauptversammlung der Deutschen Börse.

Nachfolge bislang ungeklärt

Der ehemalige Investmentbanker Viermetz war im Oktober 2005 zum Vorsitzenden des Börsen-Aufsichtsrates gewählt worden. Er folgte in dieser Funktion Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. Breuer war ebenso wie der damalige Börsen-Chef Werner Seifert ebenfalls auf Druck der beiden Hedge-Fonds TCI und Atticus ausgeschieden.

In seiner Erklärung ging Viermetz auf das Drängen der Großaktionäre mit keinem Wort ein. Ein Nominierungsausschuss für seine Nachfolge habe bereits im Sommer die Arbeit aufgenommen, da er mit 70 Jahren aus dem Aufsichtsrat ausscheiden und das Amt in "wiederum geeignete Hände" übergeben wollte, teilte er mit. Den Vorschlag für einen Nachfolger werde der Ausschuss in einigen Wochen vorlegen.

Seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Hypo Real Estate (HRE) hatte Viermetz am 10. Oktober bekanntgegeben, nachdem auch Vorstandschef Georg Funke auf Druck der Politik seinen Posten geräumt hatte. Neben Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte Medienberichten zufolge auch HRE-Großaktionär J.C. Flowers auf einen Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums gedrängt. Der Immobilienfinanzierer war im Zuge der internationalen Finanzkrise in massive Geldnöte geraten. Nachdem ein erstes Rettungspaket in Höhe von 35 Milliarden Euro platzte, hatten Bundesregierung und Finanzwirtschaft die Hilfe nochmals auf rund 50 Milliarden Euro aufgestockt. (sba/dpa)

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