Wirtschaft : Deutsche Börse vor Mega-Fusion

Frankfurt am Main/New York - Die Deutsche Börse und die New Yorker Börse unternehmen einen neuen Anlauf für einen Zusammenschluss. Mit der Fusion der beiden Börsenbetreiber würde die weltweite größte Aktienbörse entstehen, die die Märkte von New York über Paris und Lissabon bis Frankfurt am Main steuert. Beide Unternehmen bestätigten am Mittwochnachmittag „fortgeschrittene Fusionsverhandlungen“, nachdem der Handel mit Aktien der beiden Unternehmen an der Börse ausgesetzt wurde.

Es gebe aber noch keine Übereinkunft, schränkte die transatlantische Nyse Euronext in einer Mitteilung ein. Es gebe auch keine Sicherheit, dass es zu einem Zusammenschluss kommen werde. Beide hatten bereits vor gut zwei Jahren über eine Fusion verhandelt, allerdings ohne Erfolg. Damals entschied sich die Euronext dann doch für die ihrer Ansicht nach hübschere Braut aus Manhattan, die New York Stock Exchange Nyse.

Sollte die Fusion diesmal zustande kommen, entstünde ein Gigant mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von 24 Milliarden Dollar. Damit würde das neue Unternehmen die Rohstoffbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) mit einem Börsenwert von rund 20 Milliarden Dollar vom Thron stoßen. Die Nyse Euronext betreibt die Börsen in Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris, den Terminmarkt in London, die New York Stock Exchange und die Nyse Amex. „Diese Fusion wäre eine massive, globale Entwicklung“, urteilt Analyst Herbie Skeet von Mondo Visione. Auch Commerzbank-Analyst Roland Pfaender ist zuversichtlich: „Wenn man sich auf ökonomische Rationalität konzentriert, dann macht das auf jeden Fall Sinn. Da entsteht der führende Kassa-Markt und die führende Derivate-Börse“, sagte er.

   Finanzkreisen zufolge planen Deutsche Börse und Nyse Euronext nach außen zwar eine Fusion „unter Gleichen“. De facto dürften die Deutschen allerdings das Sagen haben. Denn laut gemeinsamer Mitteilung sollen sie mit bis zu 60 Prozent die Mehrheit an dem fusionierten Börsenbetreiber halten. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 15 Milliarden Dollar ist die Deutsche Börse derzeit auch deutlich mehr wert als die Nyse, die auf neun Milliarden Dollar kommt. Chef der neuen Börse mit Sitz in New York solle Nyse-Euronext-Chef Duncan Niederauer werden. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni werde künftig als Verwaltungsratschef von Frankfurt aus arbeiten. Die Synergien wurden auf rund 300 Millionen Euro beziffert. Finanzkreisen zufolge sind Stellenstreichungen wahrscheinlich.

Weltweit stehen die Börsenbetreiber unter Druck. Alternative Handelsplattformen laufen den klassischen Anbietern zunehmend den Rang ab, der Kostendruck steigt. Die Londoner Börse LSE legte am Mittwoch im Wettstreit um internationale Investoren zunächst vor: Sie will die kanadische TMX mit Sitz in Toronto übernehmen und so den weltweit viertgrößten Handelsplatz und die Nummer eins im lukrativen Geschäft mit Rohstoffaktien schmieden. Der fusionierte Konzern wäre auf Basis der jüngsten Aktienkurse 6,9 Milliarden Dollar schwer. dpa/rtr

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