Wirtschaft : Deutsche Börse wartet auf das Zinssignal der US-Notenbank

DÜSSELDORF (val). Anleger wurden auf dem deutschen Aktienmarkt in der vergangenen Woche wieder einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt. Zunächst kletterte der Dax wegen guter Vorgaben von der Wall Street beinahe bis zur 5500 Punkte-Marke und somit auf ein neues Jahreshoch. Im Verlauf der Woche aber drückten Gewinnmitnahmen die Kurse, ausgelöst von neuen Zinssorgen in den USA. Die Frage, ob die amerikanischen Zinsen steigen werden, ist entscheidend auch für die weitere Entwicklung auf dem deutschen Parkett.Ohnehin sei das fundamentale Potential der deutschen Aktien nach einem Anstieg von fast fünf Prozent allein in diesem Monat vorerst ausgeschöpft, meinen die Analysten der Commerzbank. Das Frankfurter Bankhaus rechnet damit, daß die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen in der nächsten Woche nur leicht erhöhen wird und somit weitere Turbulenzen an den Rentenmärkten nicht zu befürchten sind. In den letzten zwei Wochen waren dort die Kurse wegen der Zinssorgen vieler Anleger stark gesunken. Die Bankgesellschaft Berlin geht davon aus, daß die amerikanische Notenbank die Fed Funds Target Rate - die amerikanischen Leitzinsen - um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. Daß der Dax in den nächsten Wochen nach oben klettern wird, ist nach Meinung der Berliner aber durchaus möglich. Falls sich die Lage auf dem Rentenmarkt jedoch weiter verschlechtern sollte, bleibe es bei einer Obergrenze von 5500 Punkten. Anlegern empfehlen die Analysten, selektiv vorzugehen. Karl-Dietrich Gräf von der Commerzbank rät zur Aktie des High-Tech-Unternehmens Aixtron, die am Neuen Markt notiert ist. Weil Aixtron Anlagen für die Herstellung von Halbleitern produziere, beliefere es viele Wachstumsbranchen - von Handy-Herstellern bis zu Solartechnikern.Außerdem würde Gräf Pharmawerte kaufen, insbesondere das Papier des Unternehmens Schering. Die Aktie werde weiterhin von latenten Übernahmephantasien profitieren. Überdies sei die Schering-Beteiligung an dem weltgrößten Biotech-Unternehmen Agrevo interessant, ebenso die Zulassung der Anti-Baby-Pille in Japan. Gräf rät Anlegern ferner, auf amerikanische Pharmawerte zu achten, etwa auf Aktien von Eli Lilly. Der amerikanische Pharmamarkt sei im Moment der interessanteste der Welt.Wolfgang Sawazki, Analyst der WestLB, empfiehlt die Degussa-Aktie. Die Ausgliederung des Metallhandels werde dem Unternehmen nützen, ebenso der Aufschwung in der chemischen Industrie. Daneben rät er zu den Papieren der französischen Banken Paribas und BNP, die von Übernahmespekulationen profitierten.Der Offenmarktausschuß der amerikanischen Fed wird am Dienstag und am Mittwoch tagen. In Deutschland stehen einige Hauptversammlungen auf dem Terminkalender, unter anderem die des Berliner Maschinenbauers O & K Orenstein und Koppel (Montag) sowie die des Berliner Solartechnikherstellers Solon (Dienstag).

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