Wirtschaft : Deutsche Entertainment AG (DEAG) sichert sich die profitablen Musicals für 40 Millionen Mark

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Der Berliner Tournee- und Konzertveranstalter Deutsche Entertainment AG (Deag) übernimmt für 40 Millionen Mark die profitablen Teile des angeschlagenen Musical-Unternehmens Stella AG. Damit ist nach Monate langen Verhandlungen der Geschäfts- und Spielbetrieb des in eine finanzielle Schieflage geratenen Musical-Veranstalters gesichert. Für Stella war im November 1999 ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden. Deag-Vorstandschef Peter Schwenkow bezeichnete die Übernahme am Montag in Berlin als "sensationelle und einmalige Gelegenheit". Die Deag habe sich gegen Wettbewerber aus den USA und Holland durchgesetzt und werde nun "zum größten Live Entertainment-Anbieter Kontinental-Europas" aufsteigen. Den für das Jahr 2000 geplante Umsatz von 250 Millionen Mark erhöhte die Deag am Montag auf 510 Millionen Mark. Damit würden die zum Börsengang selbst gesteckten Ziele bereits drei Jahre früher als geplant erreicht, hieß es.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Gläubiger will Schwenkow im Zuge eines Restrukturierungsprogramms "deutliche konzeptionelle Weichenstellungen" bei Stella vornehmen. Trotz des dafür in diesem Jahr anfallenden Aufwandes von rund sieben Millionen Mark werde das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 21 Millionen Mark steigen. Vorgesehen ist unter anderem eine Reduzierung der Musical-Laufzeiten "zur Attraktivierung des Angebotes". Die Deag übernimmt nach Stella-Angaben die Produktionen in Hamburg ("Cats" und "Das Phantom der Oper"), Stuttgart ("Die Schöne und das Biest" und "Tanz der Vampire" ab 31. März), Bochum ("Starlight Express") und Berlin ("Der Glöckner von Notre Dame"). Für den Spielort Essen ("Jesus Christ Superstar") werde derzeit eine getrennte Lösung ausgearbeitet. Deag-Sprecher Martin Fabel dementierte Überlegungen des Unternehmens, Spielstätten schließen zu wollen: "Der Spielbetrieb geht in allen Häusern weiter." Das Restrukturierungskonzept sehe die Konzentration auf vier Musical-Städte mit sechs Standorten vor. Als "totalen Blödsinn" bezeichnete Fabel Meldungen, die Deag habe Stella für einen tatsächlichen Gesamtpreis zwischen 150 und 200 Millionen Mark erworben, in dem Folgeinvestitionen für die Konzeption und Weiterentwicklung der Musicals enthalten seien. Die Deag teilte weiter mit, sie habe in den Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter Mietentlastungen in Höhe von 35 Millionen Mark durchgesetzt. Welche Häuser davon betroffen seien, mochte Fabel nicht sagen. Ein Großteil entfalle aber auf die Stuttgarter Music-Hall, die der größte deutsche geschlossene Immobilienfonds, der Drei-Länder-Fonds 94/17, finanziert hat. Schwenkow zufolge passen die Stella-Musicals gut zur Deag. Es ergäben sich Synergiechancen. Denkbar sind nach Meinung von Deag-Sprecher Fabel ein flächendeckendes Catering oder Stromlieferverträge. An einen gemeinsamen Ticket-Verkauf sei zunächst nicht gedacht. Die Neuorganisation der Stella-Musicals unter dem Deag-Dach solle die "Eigenverantwortung der Stella-Häuser stärken".

Stella-Insolvenzverwalter Jan H. Wilhelm betonte am Montag, von einer Zerschlagung des Musical-Konzerns könne nicht die Rede sein. "Es ist vielmehr gelungen, für das Unternehmen, das als eigenständige Gesellschaft in Hamburg bestehen bleibt, und für seine Beschäftigten eine gesicherte Zukunft zu schaffen", hob er hervor. Auch für die Geschäftsbereiche, die von der Deag nicht übernommen werden, würden Lösungen erarbeitet. Die Deag habe den Zuschlag bekommen, weil der Spielbetrieb voll und störungsfrei aufrechterhalten bleiben könne.

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