Wirtschaft : Deutsche Exporterfolge weisen noch Lücken auf

Mittelständische Betriebe nur selten im Ausland vertretenn / Mehr Unterstützung der Politik gefordert

BERLIN (chi).Die Exporterfolge der deutschen Wirtschaft werden nach Ansicht des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) stark überschätzt.Denn getragen werde der Boom von "den alten Dinosauriern", allen voran der Automobilindustrie, in den Zukunftsbranchen hingegen seien die Deutschen auf den Auslandsmärkten unter ferner liefen zu finden und auch den Mittelstand suche man oft vergeblich.Insgesamt habe Deutschland Marktanteile verloren."Der gegenwärtige Exportboom ist trügerisch", sagte BVMW-Präsident Helmut Becker zum Auftakt der "Außenwirtschaftstage" des Verbandes am Donnerstag und Freitag in Berlin.Auf Dauer werde Deutschland sich als Exportnation nur behaupten können, wenn der Mittelstand aktiv werde. Für die Zurückhaltung machte der Verbandschef den anhaltenden Reformstau und die fehlenden Aufbruchstimmung in Deutschland verantwortlich.Wettbewerbsfähigkeit und dauerhafter Erfolg auf den Weltmärkten könnten nur durch innere Reformen gewährleistet werden, sagte er.Laut einer Umfrage des Verbandes wollen 78 Prozent der Betriebe ihre Aktivitäten auf den bestehenden, 63 Prozent auch auf neuen Auslandsmärkten ausweiten.Diese Anstrengungen fußten aber auf dünnem Boden, angesichts der schwachen Eigenkapitalausstattung der Betriebe von weniger als 18 Prozent.Becker forderte zügige Reformen, sowie flankierende Maßnahmen, um mittelständischen Betrieben den Weg auf Auslandsmärkte zu erleichtern.Dazu zählte er Hermes-Bürgschaften und die Ausrichtung der Fördermittel auf Auslandsaktivitäten.Dem Verband "stinkt es gewaltig", so Becker, "daß wir 18 Monate Wahlkampf vor uns haben ­ der auf dem Rücken der Arbeitslosen und des Mittelstandes ausgetragen wird." Schließlich zeichneten die mittelständischen Betriebe für 24 Mill.Arbeitsplätze verantwortlich. Becker sieht allerdings auch Defizite bei den Unternehmen.Die Vorbereitung auf ein Auslandsengagement erfolge "häufig nach dem Prinzip Zufall", die verfügbaren Informationsquellen würden zuwenig genutzt.Manche Betriebe scheiterten auch an Sprachbarrieren, über e-mail-Adressen und Internet-Zugänge verfügten weniger als 5 Prozent.Diese Anpassungsprozesse aber erforderten Geld, "Geld, das gerade bei mittelständischen Unternehmen in immer geringerem Maße zur Verfügung steht". Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt, der die Tagung am nachmittag eröffnete, verwies darauf, daß die Bundesregierung die Außenwirtschaftsförderung stärker auf kleine und mittelständische Betriebe ausgerichtet habe.Im ersten Halbjahr 1997 seien 73 Prozent der Hermes-Deckungsfälle auf Betriebe mit einem Umsatz von unter 250 Mill.DM entfallen.Zugleich forderte er die Betriebe auf, die Möglichkeit von Kooperationen zu nutzen, "die Herr-im-Haus-Mentalität vieler Mittelständler ist hier völlig fehl am Platz", so der Minister.Mehr Auslandsorientierung sei nötig, das gelte auch für jene, die nur im Inland operierten."Nationale Nischen für ihre Produkte wird es in Zukunft kaum noch geben", warnte Rexrodt.Er empfahl den Betrieben zugleich, mehr auf Ebene der Mitarbeiter zu tun ­ ihnen beispielsweise Praktikas im Ausland zu ermöglichen oder selbst Praktikanten aus dem Ausland zu beschäftigen.

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