Wirtschaft : Deutsche fahren weniger ins Ausland

Drohender Irak-Krieg belastet die Stimmung / Große Touristikkonzerne waren 2002 die Verlierer

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Stuttgart (dpa). Deutsche Touristen und Geschäftsreisende haben 2002 erstmals seit 20 Jahren weniger Geld für Auslandsreisen ausgegeben. Die Umsätze seien im Vergleich zu 2001 um zwei Prozent auf 50,5 Milliarden Euro gesunken, teilte die Dresdner Bank bei der Vorlage ihrer Reiseverkehrsbilanz auf der Messe Caravan Motor Touristik (CMT) am Dienstag in Stuttgart mit. Hauptgründe seien die wirtschaftliche Unsicherheit, Preiserhöhungen bei Pauschalreisen und die Angst vor Terroranschlägen. Im Vorjahr waren die Ausgaben mit 51,6 Milliarden Euro gegenüber 2000 konstant geblieben.

Positiv entwickelten sich hingegen die ReiseEinnahmen: Nach Rückgängen im vergangenen Jahr wuchsen sie wieder um sechs Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Dabei konnte Deutschland mit seiner zentralen Lage vom Trend zu Reisen mit dem Auto oder der Bahn profitieren. Die Bundesrepublik rangiert knapp hinter China weltweit auf Rang sieben der beliebtesten Reiseziele. Am häufigsten kommen die Niederländer in den Schwarzwald oder an die Nordsee.

Bei den Ausgaben für Auslandsreisen bleibt die Dresdner Bank auch für das laufende Jahr pessimistisch. „Der drohende Irak-Krieg überschattet alles“, sagte die Dresdner-Bank-Volkswirtin Renate Finke. Ein militärischer Konflikt werde sich massiv auf den Reisemarkt auswirken. Eine Prognose sei schwierig, im günstigsten Fall werde mit einer Stagnation gerechnet. Erst 2004 sei wieder spürbares Wachstum zu erwarten. Die Reise-Einnahmen könnten in diesem Jahr erneut leicht zulegen.

Deutsche Touristen und Manager reisten im vergangenen Jahr am liebsten nach Italien. In der Beliebtheitsskala folgten Spanien, Österreich, Frankreich und die Schweiz. Die Reiseausgaben bewegten sich trotz des Rückgangs nach wie vor auf einem hohen Niveau, sagte Finke. Nach den USA bleibt Deutschland die reisefreudigste Nation der Welt.

Verlierer des Vorjahres waren die großen Touristikkonzerne, die von der Schwäche des Flugmarktes und der Konkurrenz durch Internet-Anbieter getroffen wurden. Vor allem die Billigflieger würden den Trend zu mehr individuellen Urlaubsreisen beschleunigen. Für die Umsätze von Ryanair & Co. erwarten die Experten der Dresdner Bank 2003 ein Wachstum von bis zu 30 Prozent.

Unzufrieden mit dem Interesse deutscher Touristen zeigte sich Spanien auf der CMT: Die Balearen (minus 16 Prozent) und Kanaren (minus acht Prozent) zählten 2002 deutlich weniger Urlauber aus Deutschland, insgesamt lag der Rückgang bei sieben Prozent.

Auch die USA mussten 2002 einen Rückgang von Touristen aus „good old Germany“ hinnehmen – nach dem Einbruch im Vorjahr war das Minus von zwei Prozent jedoch verkraftbar. Wegen des günstigeren Wechselkurses soll es in diesem Jahr wieder aufwärts gehen. Angepeilt sei ein Wachstum von sieben Prozent auf mehr als 1,4 Millionen Besucher, sagte Wolf Treupel von „Best of America“ auf der CMT.

Die größte europäische Publikumsmesse für Tourismus läuft noch bis zum 26. Januar auf dem Stuttgarter Killesberg.

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