• Deutsche Finanzhäuser kritisieren die Vorstellungen des IWF und fordern Vorfahrt für den freien Kapitalverkehr

Wirtschaft : Deutsche Finanzhäuser kritisieren die Vorstellungen des IWF und fordern Vorfahrt für den freien Kapitalverkehr

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Die deutschen Banken wehren sich dagegen, im Falle von internationalen Finanzkrisen von vornherein zu finanzieller Hilfe verpflichtet zu werden. "Jede Beteiligung Privater an Umschuldungen muss freiwillig bleiben", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm am Montag in Frankfurt. Er hat für den Bundesverband Deutscher Banken gemeinsam mit Kollegen aus anderen Häusern ein Positionspapier erarbeitet - Titel: "Stabilisierung internationaler Finanzbeziehungen".

Darin sprechen sich die Banken für freie Finanzmärkte aus. Kapitalverkehrskontrollen könnten nur im Einzelfall und für eine befristete Zeit sinnvoll sein.

Anlass für die Veröffentlichung ist die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank, die am Wochenende in Washington beginnt. Auf ihr wird auch über die Beteiligung von privaten Geldgebern an der Bewältigung von Finanzkrisen diskutiert.

Eine der schwersten Finanzkrisen - die so genannte Asienkrise - begann vor gut zwei Jahren in Thailand. Private Investoren, und damit auch die Banken, hatten über Jahre in der Hoffnung auf hohe Gewinne massiv Geld in das Land geschleust, es aber dann 1997 nach ersten Problemen rasant wieder abgezogen - und damit die Krise mit ausgelöst.

Die Banken haben Ramm zufolge inzwischen Techniken entwickelt, um das Risiko von Liquiditätskrisen einzudämmen. Das zeige, so der Ökonom, dass sie ernsthaft gewillt seien, ihren Beitrag zur Krisenvermeidung und -bewältigung zu leisten. Sie hätten sich auch schon an Umschuldungen beteiligt. "Die oft aufgestellte Behauptung, die privaten Geldgeber könnten sich zu Lasten der öffentlichen Hände von Umschuldungslasten befreien, trifft die Banken gewiss nicht", sagt Ramm.

Die auf den G-7-Gipfel in Köln vereinbarte Einbindung des Privatsektors in die Krisenbewältigung hat nach Auffassung der Banken zu sehr eine Entlastung der öffentlichen Haushalte im Auge. Sie achte zu wenig auf das Risiko einer unregelmäßigen privaten Kapitalzufuhr in die Entwicklungsländer. Staatliche Zwangsmaßnahmen könnten den Banken das Interesse an solchen Investments verleiden. Nach Ansicht von Ramm müssen sich die Banken darauf verlassen können, dass Verträge eingehalten und Kredite bedient werden. "Die Verpflichtung der Schuldner darf nicht relativiert werden", heißt es in dem Papier. Es könne keine einseitige Zahlungseinstellung durch die Schuldner geben.

Die Banken lehnen es auch strikt ab, dass der IWF die Möglichkeit erhält, einseitig ein Zahlungsmoratorium zu verhängen oder die Rechte privater Gläubiger auf Einklagen ihrer Forderungen auszusetzen. Ein Weg, mögliche Probleme frühzeitig zu verhindern, sehen die privaten Banken in einer engen Zusammenarbeit zwischen Kreditgebern und Schuldnerländern. Beispiel dafür sei das "Investor Relations Office", das Mexiko schon 1996 eingerichtet hat.

Finanzkrisen können nach Ansicht der deutschen Geldhäuser ohnehin kein Argument für Dirigismus sein. Ein ungehinderter internationaler Kapitalverkehr sei die Voraussetzung für ein weltweit effizientes und stabiles Finanzsystem. "Am Fernziel eines offenen Marktes für Kapital sollte festgehalten werden", betont Ramm.

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