Wirtschaft : Deutsche Flugsicherung: DFS verursacht Verspätungen

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Die Leistungen der staatlich geführten Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) haben sich nach Untersuchungen einiger Airlines in den vergangenen Wochen drastisch verschlechtert. Die Lufthansa rechnet vor, die durch die DFS verursachten Verspätungen im Monat Mai hätten sich im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 40 Prozent erhöht. Bei der Dortmunder Eurowings ist der Ärger noch größer: "Unsere Verspätungen pro Tag haben sich von bisher 500 auf 1000 Minuten annähernd verdoppelt. Das deckt sich mit Beobachtungen anderer Airlines", betonte Vorstandsmitglied Karl Heinz Krüger.

Die Probleme hängen mit dem eklatanten Mangel an ausgebildeten Lotsen und der Umstellung auf ein neues Luftverkehrswege-System im April zusammen. "Wir haben unseren Augen kaum getraut, als die Verspätungen unmittelbar nach der Umstellung wieder in den Himmel gewachsen sind", sagt Lufthansa-Generalbevollmächtigter Christoph Klingenberg. Er schätzt den Schaden, der in diesem Jahr durch die mangelhafte Flugsicherung entsteht, auf 200 bis 300 Millionen Mark. Mit Nachdruck fordert die Lufthansa nun eine Privatisierung der DFS. Eine Beteiligung der Airlines gilt dabei als wünschenswert. Ziel der Maßnahme sei die "Einführung privatwirtschaftlicher Management-Methoden", um die Flugsicherung in Deutschland effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Als Vorbild dient Großbritannien: Dort hält ein Konsortium britischer Fluggesellschaften 46 Prozent der Anteile. Nur 49 Prozent liegen beim Staat, fünf Prozent bei den Mitarbeitern.

Im Vergleich mit den USA hinkt gleichwohl die gesamte europäische Flugsicherung hinterher. "Das europäische ATM-System ist nur halb so effektiv wie das der USFlugsicherung", heißt es in einer Studie von Eurocontrol, der Europäischen Organisation für Flugsicherung. Das Papier, das dem Handelsblatt vorliegt, soll an diesem Mittwoch in einem Aufsichtsgremium von Eurocontrol unter die Lupe genommen werden. Die Flugsicherung wird gleichzeitig auf ihrer Pressekonferenz darauf verweisen, im europäischen Vergleich besser zu arbeiten als der Durchschnitt. Doch dem Management wird vorgeworfen, den Bedarf an Fluglotsen krass unterschätzt zu haben. "Seit Mitte der 90er-Jahre war das Problem absehbar", klagt Lufthansa-Manager Klingenberg.

Tief sitzt der Frust vor allem bei kleinen Fluggesellschaften. City-Air, eine Fluggesellschaft mit vier Turboprop Maschinen im Linienbetrieb, verlangt von der Flugsicherung Schadenersatz. In einem Brief an die DFS heißt es: "Wir werden ab jetzt täglich die durch ihr Haus verursachten und angefallenen Verspätungen auflisten und Ihnen die Kosten in Rechnung stellen." Die Erfolgsaussichten sind jedoch gering: "Rein rechtlich lässt sich wenig machen, weil zwischen Airlines und der staatlichen DFS kein privatwirtschaftliches Verhältnis besteht", sagt ein Luftfahrtexperte.

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