Wirtschaft : Deutsche Fonds: Wir sind keine Heuschrecken

Beteiligungsfirmen wehren sich gegen SPD-Kritik/Finanzinvestoren stärken den Mittelstand und schaffen Arbeitsplätze

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die deutschen Beteiligungsgesellschaften haben die von SPD-Chef Franz Müntefering ausgelöste Heuschrecken-Debatte als „schädlich für den Standort Deutschland“ bezeichnet. „Man kann nur hoffen, dass der Schaden nicht zu groß wird“, sagte Holger Frommann, Geschäftsführer des Branchenverbandes BVK, am Dienstag in Berlin. Die Vorgehensweise der Finanzinvestoren bei der Deutschen Börse, die am Montag den Vorstands- und Aufsichtsratschef aus dem Amt gedrängt hatten, sei „nicht unser Feld“, so Frommann. Der BVK distanziere sich von so genannten „Raidern“, die Firmen ohne längerfristige Absichten kaufen, in Einzelteile aufspalten und wieder verkaufen. „Das ist nicht das Geschäftsmodell unserer Mitglieder“, sagte Frommann. Beteiligungsfirmen blieben im Schnitt fünf bis sieben Jahre bei einem Unternehmen investiert.

Die Aufgabe der gut 200 im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften organisierten Firmen sei auch nicht, bei börsennotierten Unternehmen einzusteigen. „Wir investieren vor allem bei Mittelständlern, die zu wenig Eigenkapital haben, und schaffen sichere Arbeitsplätze“, sagte Frommann. Mit privatem, außerbörslichem Beteiligungskapital (Private Equity) finanzierte Unternehmen trügen maßgeblich zur Wirtschaftskraft und Beschäftigung bei. So waren die BVK-Unternehmen Ende 2004 bei Firmen mit einem Gesamtumsatz von 114 Milliarden Euro und rund 640000 Mitarbeitern engagiert. Sie investierten allein im vergangenen Jahr 26,3 Milliarden Euro. In das Jahr 2005 ist die Branche aber schwächer gestartet. Die Investitionen erreichten im ersten Quartal 418,7 Millionen Euro, wie der BVK mitteilte. Davon flossen 407,2 Millionen Euro direkt in Unternehmen, nach 514,1 Millionen Euro im ersten Quartal 2004. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband eine Stabilisierung auf Vorjahresniveau.

Der deutsche Mittelstand habe großen Nachholbedarf, seine Kapitalbasis zu verbreitern. Dabei werde neben dem klassischen Bankkredit (Fremdkapital) externes Eigenkapital der Beteiligungsfirmen immer wichtiger, sagte Joachim Voss, Direktor der WestLB. „Die Finanzchefs der Unternehmen denken um.“ Früher hätten die wenigsten mittelständischen Firmen toleriert, dass externe Investoren Mitspracherechte hätten. Weil aber Kredite heute nicht mehr so einfach zu bekommen seien, öffneten sich kleine Unternehmen internationalen Finanziers. „Der Mittelstand wird transparent“, sagte Voss.

Diese Entwicklung wird laut BVK-Geschäftsführer Frommann auch von der Bundesregierung wahrgenommen – und gefördert. „Die Heuschrecken-Debatte steht im Gegensatz zu der betriebenen Politik.“ In der Finanzbranche stoße sie auf Unverständnis. „Die SPD sollte die Probleme, die sie mit der Wirtschaft hat, auf einer sachlichen Ebene diskutieren“, forderte Frommann.

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