Wirtschaft : Deutsche in Hongkong optimistisch

STEFAN MECHNIG (AFP)

Handelsmetropole ist bedeutender Wirtschaftspartner der BundesrepublikVON STEFAN MECHNIG (AFP)

BONN .Von den großen Banken über die Chemieriesen bis zu den führenden Elektrokonzernen - das deutsche Firmenregister in Hongkong liest sich wie ein Gothaer Adelskalender für Unternehmen.Auch die Statistik der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Handelsmetropole am Südchinesischen Meer kann sich sehen lassen.Und daran wird sich auch zumindest aus der Sicht der deutschen Wirtschaft so schnell nichts ändern.Während Menschenrechtler in aller Welt der Übergabe Hongkongs an das sozialistische China mit Sorge entgegenblicken, erwarten die Firmen nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft am 1.Juli wirtschaftlich weiter eher rosige Zeiten.
Rund 500 deutsche Unternehmen sind in Hongkong vertreten.Viele von ihnen haben dort ihr Hauptquartier für Geschäfte in der asiatisch-pazifischen Region und vor allem mit dem boomenden chinesischen Markt.In den Bürotürmen sitzen Versicherungen ebenso wie Handelsgesellschaften, Spediteure und Tourismusunternehmen.Berücksichtigt man die sogenannten Re-Exporte aus China, die über Hongkong laufen, so ist Deutschland der siebtgrößte Handelspartner der Metropole und ihr wichtigster in der Europäischen Union.Die deutschen Einfuhren beliefen sich 1996 nach Angaben der Bundesregierung auf 3,5 Mrd.DM, während die Exporte nach Hongkong bei 6,4 Mrd.DM lagen.
Auf die "Großen Drei" im Hongkong-Geschäft - China, USA und Japan - folgen die Deutschen, die in dem Wirtschaftszentrum erst relativ spät Fuß faßten.Auch rangierten sie 1995 unter den Abnehmerländern zwar mit einem Anteil von 4,3 Prozent vor Briten oder Taiwanern, lagen aber zum Beispiel weit hinter den Chinesen zurück, die es auf über 33 Prozent brachten.Ähnliches gilt für die deutschen Direktinvestitionen.Hier nimmt die Bundesrepublik mit einem Anteil von rund 1,8 Mrd.DM Platz fünf ein.Im Vergleich kommt China als größter Investor und engster Wirtschaftspartner Hongkongs auf ein Volumen von mehr als 40 Mrd.DM.Die Direktinvestitionen Hongkongs in Deutschland betragen dagegen nur rund 200 000 DM.
Gleichwohl zählt die Metropole zu den bedeutenden Wirtschaftspartnern der Bundesrepublik - und wird es nach Einschätzung der deutschen Spitzenverbände auch nach der Übernahme durch die Volksrepublik bleiben, die vertraglich zugesagt hat, das kapitalistische System dort 50 Jahre beizubehalten.Otto Wolff von Amerongen, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, betont, es werde auf keinen Fall ein Einbruch im Hongkong-Geschäft erwartet, eher eine leichte Belebung."Es liegt im eigenen Interesse der Chinesen, daß die sich da gut benehmen." Wolff verweist vor allem auf die angestrebte Wiedervereinigung mit Taiwan, für die Pekings Verhalten in Hongkong als Testfall gelte.
Johannes von Thadden, Leiter des Bereichs Außenhandelskammern beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT), unterstreicht, daß der DIHT erst vor einigen Monaten im noblen Lippo-Center Büroräume für den Delegierten der deutschen Wirtschaft in Hongkong erworben habe - ein Zeichen des Vertrauens in die wirtschaftliche Stabilität der Metropole.

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