Wirtschaft : Deutsche Industrie hat Boden gutgemacht

Bundesbank: Unternehmen sind wieder wettbewerbsfähig

FRANKFURT (MAIN) (dpa/rtr/AP).Die deutsche Industrie ist nach Überzeugung der Bundesbank wieder international wettbewerbsfähig.Die Wirtschaft habe die Flaute überwunden und liege nun auf Wachstumskurs.Im ersten Quartal habe die gesamtwirtschaftliche Leistung saison- und kalenderbereinigt um 2,75 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen, heißt es im jüngsten Monatsbericht.Dennoch fordern die Währungshüter die Politiker auf, mit raschen Reformentscheidungen die Rahmenbedingungen für Investitionen der Unternehmen zu verbessern. In einer Analyse über die wirtschaftliche Lage im Frühjahr bescheinigt die Bundesbank der deutschen Industrie eine deutlich verbesserte Konkurrenzfähigkeit.Die Exportunternehmen könnten somit an dem Wachstum ihrer Absatzmärkte voll teilhaben.Die Auslandsnachfrage ist nach wie vor die wichtigste Stütze des Wirtschaftswachstums, betonen die Währungshüter.Die Bestellungen ausländischer Kunden fielen in den ersten vier Monaten um rund zwölf Prozent höher aus als vor Jahresfrist. Die verbesserte Wettbewerbsposition führen die Experten der Zentralbank auf die erfolgreichen Rationalisierungsanstrengungen der Unternehmen, die günstigen Tarifabschlüsse von rund 1,5 Prozent und die exportstützende Wechselkursentwicklung zurück.Der reale Außenwert der D-Mark gegenüber den 18 wichtigsten Währungen liege mittlerweile niedriger als Anfang 1995 und dürfte damit "weitgehend den ökonomischen Grundbedingungen entsprechen". Für das Inland und insbesondere die Lage am Arbeitsmarkt zeichnet die Bundesbank dagegen "ein insgesamt düsteres Bild".Der Personalabbau sei bis zuletzt nicht zum Stillstand gekommen.Die Zahl der Erwerbstätigen verringerte sich sogar "schubartig".Im Schlußquartal 1996 waren 490 000 Menschen weniger erwerbstätig als ein Jahr zuvor.In den ersten drei Monaten dieses Jahres habe sich der Rückgang noch auf 530 000 verstärkt. Zwar habe sich im März und April mit einem spürbaren Anziehen der Inlandsnachfrage das Bild etwas aufgehellt.Ob damit aber schon der Funken vom Export auf den Import übergesprungen ist, müsse noch abgewartet werden.Ein besonderer Schwachpunkt im gegenwärtigen Konjunkturbild sei die Bauwirtschaft.Auch der private Verbrauch stagnierte im ersten Quartal.Dieses führt die Bundesbank vor allem auf die Sorge um den Arbeitsplatz und die kräftige Anhebung der Rentenbeiträge zurück. Auch das Münchner Ifo-Institut sieht keine wirkliche Trendwende am Arbeitsmarkt.Das Wirtschaftswachstum müßte sich mehr als verdoppeln, um eine Halbierung der Arbeitslosenzahl bis zum Jahr 2000 zu erreichen, betonten die Wirtschaftsforscher am Mittwoch.Erst ab einer Schwelle von 2,3 Prozent Wachstum würde die Arbeitslosigkeit überhaupt zu sinken beginnen.Ein Prozent Wachstum über dieser Schwelle würde die Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte senken.Bei der von den Forschungsinstituten für 1998 erwarteten Wachstumsrate von 2,75 Prozent in Westdeutschland und der Fortschreibung dieser Rate könnte die Arbeitslosenzahl also nicht - wie von der Politik versprochen - bis zum Jahr 2000 halbiert werden sondern würde nur um 0,3 Prozentpunkte sinken. Um die Bereitschaft von Sozialhilfeempfängern, Niedriglohn-Jobs anzunehmen, anzukurbeln, hat die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) unterdessen vorgeschlagen, den Lohn in geringerem Maße als bisher von der Sozialhilfe abzuziehen.Im Industrie-, vor allem aber im Dienstleistungsbereich seien viele Beschäftigungsmöglichkeiten unerschlossen, "weil einfache Arbeit am Markt zu teuer geworden ist", betonte BDA-Präsident Hundt.

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