Wirtschaft : Deutsche Industrie schwächelt

Unternehmen bekommen weniger Aufträge – in den USA mehren sich dagegen die Anzeichen für einen Aufschwung.

Die US-Wirtschaft hat im Juni deutlich mehr neue Jobs geschaffen als erwartet. Foto: AFP
Die US-Wirtschaft hat im Juni deutlich mehr neue Jobs geschaffen als erwartet. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Die deutsche Industrie kämpft neben der Rezession im Euro-Raum zunehmend mit einer schwachen Nachfrage im Inland. Dies brockte den Betrieben im Mai überraschend das zweite Auftragsminus in Folge ein. Sie verzeichneten 1,3 Prozent weniger Bestellungen als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Das ist ein Dämpfer für die Hoffnungen auf eine bald beginnende Erholung. Solange sich die Unternehmen mit Investitionen zurückhielten, „ist ein nachhaltiger und kräftiger Aufschwung in Deutschland nicht zu erwarten“, sagte Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank.

Die Wirtschaft hatte im ersten Quartal wegen des langen Winters und des Abwärtsstrudels in der Euro-Zone nur um 0,1 Prozent zugelegt. Im zweiten Quartal dürfte es mehr Wachstum gegeben haben. Allerdings schwächelt die Inlandsnachfrage der Industrie. Hier sanken die Aufträge um 2,0 Prozent und damit den zweiten Monat in Folge spürbar. Auch die Auslandsorders fielen um 0,7 Prozent. „Bedenklich ist, dass die Investitionstätigkeit weder hierzulande noch in der Euro-Zone in Gang kommt“, sagte Dirk Schlotböller vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

In den USA gibt es dagegen bereits Anzeichen für einen Aufschwung. Die US-Wirtschaft hat im Juni deutlich mehr neue Stellen geschaffen als erwartet. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 195 000, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Viele Händler hatten nur mit 165 000 neuen Stellen gerechnet. Zudem wurden im April und Mai zusammen 70 000 mehr neue Jobs geschaffen als zunächst ermittelt. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 7,6 Prozent.

Die Daten deuten darauf hin, dass die Notenbank Fed ihre lockere Geldpolitik bald strafft. „Hält der Arbeitsplatzaufbau in ähnlicher Größenordnung in den kommenden drei Monaten an, kann ab Oktober mit einer Drosselung der Wertpapieraufkäufe gerechnet werden“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank in Liechtenstein. rtr

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