Wirtschaft : Deutsche Industrie spürt Probleme aus Südeuropa

Krise erreicht EU-Kernländer / Autoabsatz stockt

Berlin - Noch ist der Arbeitsmarkt hierzulande stabil, die Wirtschaft wächst weiter. Doch konjunkturelle Frühindikatoren zeigen, dass sich auch Deutschland der Schuldenkrise der südeuropäischen Staaten nicht entziehen kann. So registrieren immer mehr Unternehmen in der EU eine sinkende Nachfrage. Auch die heimischen Maschinenbauer dämpften am Mittwoch ihren bisher starken Optimismus. Weiterer Indikator sind nur noch schwach steigende PKW-Zulassungszahlen hierzulande.

Die regelmäßige Umfrage des Markit-Instituts unter 3000 Einkaufsmanagern ergab den dritten Monat in Folge sinkende Werte. „Die Schwäche breitet sich nun auch in den Kernländern aus, während die Peripherie-Länder weiter tief in der Rezession verharren“, hieß es in einer Mitteilung von Mittwoch. „Selbst mit Deutschlands Industrie geht es jetzt bergab“, erklärte Markit-Ökonom Rob Dobso. Der Sektor schrumpfte erstmals seit zwei Jahren wieder, der Markit-Einkaufsmanagerindex fiel um 1,2 auf 49,1 Punkte und rutschte unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

„Verantwortlich für die Nachfrageausfälle waren den Befragten zufolge die zunehmend unsicheren Konjunkturperspektiven“, schrieben die Markit-Experten. Dies habe dazu geführt, dass die Firmen ihre Lagerbestände abbauten und Investitionsentscheidungen aufschöben.

Die Markit-Zahlen bestätigten am Mittwoch in Teilen Deutschlands Maschinenbauer. Sie setzen ihren Wachstumskurs zwar trotz Schuldenkrise und lahmender Konjunktur fort. Im September verlor die Schlüsselindustrie jedoch deutlich an Tempo und konnte ihren Auftragseingang zum Vorjahr real nur noch um ein Prozent steigern, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt mitteilte. Im Vormonat waren die Aufträge mit plus 14 Prozent noch deutlich kräftiger gewachsen.

Die Euro-Krise verunsichert offenbar auch die Verbraucher. Darauf deuten Zahlen des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hin. Demnach wurden im Oktober rund 258 000 Neuwagen registriert – das war ein Plus von gerade noch 0,6 Prozent nach Monaten starker Wachstumsraten. Bislang war Deutschland einziger Lichtblick bei der Pkw-Nachfrage in Europa, wo vor allem die südeuropäischen Staaten unter der Schuldenkrise ächzen. Wegen der Absatzschwäche dort geriet auch der Export aus dem Tritt, bislang Garant für eine hohe Auslastung der Pkw-Werke. rtr, kph

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