Wirtschaft : Deutsche Kicker wollen an der Börse Kapital einspielen

FRANKFURT (MAIN).Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart liefern sich zum Bundesliga-Auftakt ein packendes Match, das Knie von Nationalspieler Matthias S.ist wieder heil, Bayern München kommt als Nachzügler in die Champions League: Solche Nachrichten dürften bald nicht nur die Herzen der Fußballfans, sondern auch die Börsenbarometer bewegen.Um beim am Freitag beginnenden großen Spiel um Bundesliga-Millionen ein dickeres Finanzpolster zu haben, setzen die Clubs auf die erwachte Lust der Deutschen an Wertpapieren.Aktiengesellschaften statt der bisherigen gemeinnützigen Vereine sollen dem Profibetrieb den juristischen Rahmen geben, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.Die Weichen dazu will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Oktober stellen.

Daß sich der Gang an die Börse zumindest für die Clubs lohnt, zeigt das englische Beispiel.Die Premier League als erste Spielklasse setzte allein in der Saison 1996/97 nach der Europameisterschaft im Fußball-Mutterland fast 1,4 Mrd.DM um.Spitzenvereine wie Manchester United, Arsenal London, Newcastle United oder der FC Liverpool tauchen längst nicht mehr nur auf den Sportseiten der Zeitungen, sondern auch auf dem Börsenzettel auf.Wirtschaftsprüfer sehen aber eine "schwache" Entwicklung: Die Anteile der 18 börsennotierten Fußballclubs in England verloren von Ende Juni 1997 bis Ende Juni dieses Jahres im Schnitt 22 Prozent an Wert.Nur drei Vereine notierten höher, darunter vor allem die modernen "Manchester-Kapitalisten" von United.

Den Kurs der Fußball-Papiere beeinflussen Faktoren, die deutschen Börsianern noch fremd sind: Das lädierte Knie von Nationalstürmer Alan Shearer und eine Serie verlorener Spiele brachten etwa die Kurse von Newcastle ins Rutschen.Shearer kehrte in Vereinsmannschaft und Nationalelf zurück, Newcastle kam in der vergangenen Saison aber nur auf Platz 13.Die Club-Aktie notierte Mitte der Woche bei 70 Pence, fast die Hälfte unter dem Jahres-Hoch von 1,34 Pfund Sterling.

Das Vorbild der kapitalstarken englischen Vereine gefällt den Strategen der anderen Ligen.Zuletzt ging Lazio Rom an die Börse, der niederländische Serienmeister Ajax Amsterdam will gar einen Fußballkonzern mit Tochtervereinen rund um den Globus aufziehen.Längst träumt auch der als Bundesliga-Vordenker geltende Manager des FC Bayern, Uli Hoeneß, von einem Börsengang des deutschen Rekordmeisters.Die Zielrichtung ist klar: "Eine Aktiengesellschaft macht nur Sinn, wenn man ein Stadion baut", sagt etwa DFB-Sprecher Michael Novak.Auf dem Transfermarkt bekämen die Vereine zudem mehr Kapital für Spielerkäufe.Ein Börsengang sei aber nur für maximal fünf deutsche Vereine "interessant und machbar".

"Uneingeschränkte Börsenreife" bescheinigen Wirtschaftsprüfer außer Bayern derzeit nur den Ruhrgebiets-Kickern und Ex-Europapokalsiegern von Dortmund und Schalke 04.Die DG Bank hält die Bundesliga-Mitglieder dagegen für gleich stark und empfiehlt statt dessen einen gemeinsamen Börsengang aller 18 Liga-Vertreter.Alle 18 Aktien wären interessante Anlageobjekte; die Clubs müßten aber in "renditeorientiert handelnde und professionell organisierte Aktiengesellschaften umgewandelt werden".

DFB-Sprecher Novak hält dem entgegen, sportliche Belange dürften bei den Fußball-AGs nicht zu kurz kommen.Ein Konzept, das der von Amateurclubs dominierte DFB-Bundestag am 24.Oktober absegnen soll, sieht etwa vor, daß jeder Verein mindestens eine Aktienmehrheit von 51 Prozent behalten soll.Damit es keine unsportlichen Absprachen gibt, sollen Querbeteiligungen an mehreren Vereinen verboten werden.Eine "totale Kommerzialisierung" des bereits von Sponsoring, Fanartikelverkauf und TV-Senderechten beherrschten Marktes werde DFB-Chef Egidius Braun nicht zulassen, betont Novak.Wegen der ausgeglichenen Spielstärke bringe zudem selbst das große Börsengeld den Vereinen keine Erfolgsgarantie: "Da ist immer noch nicht sicher, daß Bayern in den nächsten 20 Jahren 15mal Meister wird und Dortmund fünfmal." REINOLF REIS (AFP)

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