Wirtschaft : Deutsche Konjunktur kommt in Schwung

Defizit näher an 3,0 Prozent

WIESBADEN (dpa).Vom Exportboom getragen hat sich der Konjunkturaufschwung in Deutschland gefestigt.Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Halbjahr 1997 real um 2,0 Prozent.Diesen Wert gab das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden bekannt.Nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Günter Rexrodt und Analysten werden damit die Wachstumserwartungen von 2,5 Prozent für das Gesamtjahr 1997 erfüllt.1996 hatte die deutsche Wirtschaft real um 1,4 (1995: 1,9) Prozent zugelegt.Weiter teilte das Bundesamt mit, daß die Neuverschuldung der öffentlichen Haushalte im ersten Halbjahr 1997 nur noch 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgemacht hat.Bei ihren Neuberechnungen für 1997 hat die Wiesbadener Behörde dabei noch nicht berücksichtigt, daß die EU-Kommission bei der Beurteilung der Defizitquoten eine andere Methode verlangt.Sie könnte den Wert für Deutschland noch einmal um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte verbessern.Nach EU-Regeln bleiben nämlich die öffentlichen Krankenhäuser bei der Abgrenzung des staatlichen Sektors außen vor - anders als bei den Berechnungen der Bundesstatistiker. Das Wachstum betreffend errechneten die Statistiker für das zweite Quartal ein Plus von 2,9 Prozent.Als wichtigster Antrieb für die Konjunktur erwies sich abermals der immer kräftiger brummende Exportmotor.In der ersten Jahreshälfte wurde real 9,6 Prozent mehr exportiert als vor Jahresfrist - mit steigender Tendenz.Der Private Verbrauch als wichtige Stütze für einen dauerhaften Aufschwung lahmt dagegen weiter: Im Vergleich zum Vorjahr errechneten die Statistiker nur ein bescheidenes Wachstum von 0,6 Prozent.Rexrodt geht davon aus, daß die boomenden Exporte zunehmend auch die Binnenkonjunktur in Gang bringen werden.Dafür spreche, daß auch die Ausrüstungsinvestitionen mit einem Plus von 3,6 Prozent im ersten Halbjahr allmählich anziehen.Als Dämpfer wirkte die Rezession am Bau.Eine Wende am Arbeitsmarkt ist allerdings nicht abzusehen.Die Arbeitsproduktivität legte zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 4,5 Prozent zu.Damit gab es trotz beschleunigten Wachstums im zweiten Quartal bundesweit 536 000 weniger Arbeitsplätze als vor Jahresfrist.Die Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen legten im zweiten Quartal um 10,5 Prozent zu, die Einkommen aus unselbständiger Arbeit dagegen nur um 0,7 Prozent.

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