Wirtschaft : Deutsche Konjunktur: Schwacher Konsum dämpft das Wachstum

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Der Ölpreisanstieg hat die deutsche Konjunktur zum Jahresende 2000 stärker getroffen als erwartet. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vergangenen Jahr real lediglich um 3,0 statt wie erwartet um 3,1 Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. "Diese Änderung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die privaten Konsumausgaben schwächer zunahmen als zunächst erwartet wurde", kommentierten die Statistiker ihre Korrektur. Auch die Stimmung bei den Unternehmen wird schlechter, ergaben Umfragen des Ifo-Instituts sowie des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) bei seinen Mitgliedsunternehmen.

Der Dämpfer zum Jahresende zeigt sich noch deutlicher bei der Betrachtung der Quartalszahlen. Ursprünglich hatten die Volkswirte des Statistischen Bundesamtes für Oktober bis Dezember den jährlichen BIP-Zuwachs mit 2,5 Prozent veranschlagt - nach neuen Berechnungen sind es nur noch 1,9 Prozent.

Wegen des nach wie vor florierenden Exports und den erhofften Effekten der Steuerreform bleibt die Bundesregierung für 2001 aber optimistisch. Die Verlangsamung des Wachstums im vierten Quartal 2000 beruhe vor allem auf der Verteuerung der Energie, welche die Kaufkraft der privaten Haushalte belastet habe, hieß es im Finanzministerium in Berlin. Die Zunahme des privaten Konsums als größter Nachfragekomponente sei - mit nur noch 0,5 Prozent im letzten Quartal 2000 - geringer ausgefallen als erwartet.

Die Impulse im vergangenen Jahr kamen abermals von den hohen Investitionen und dem Exportboom. Mit Unterstützung des schwachen Euro legten die Ausfuhren um 13,2 Prozent zu. Der private Verbrauch blieb hingegen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Bundesbürger konsumierten real nur 1,6 Prozent mehr. Belastend für die Konjunktur war erneut die Bauwirtschaft. Die Bauinvestitionen schwächten sich um 2,5 Prozent ab. Auch der Sparkurs des Staates trug nicht zur Belebung bei - die Ausgaben stiegen nur um 1,4 Prozent.

Entlastung hat der Aufschwung dem Arbeitsmarkt gebracht. Im vierten Quartal waren 545 000 Menschen mehr beschäftigt als vor Jahresfrist. Die Zahl der Erwerbslosen nahm um 216 000 auf 3,06 Millionen ab. Damit verringerte sich der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der Erwerbspersonen von 7,9 Prozent im vierten Quartal 1999 zum Jahresende 2000 auf 7,3 Prozent.

Unterdessen bleiben die Geschäftserwartungen in der Industrie frostig. Das ergab der jüngste Konjunkturtest des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung für den Januar. Zwar sei die Beurteilung der nach wie vor recht günstigen Geschäftslage etwas besser ausgefallen als im Vormonat. Dennoch habe sich das Geschäftsklima weiter eingetrübt. Erstmals seit Mai 1999 hätten die Erwartungen sogar im negativen Bereich gelegen. Die Deutsche Bundesbank hatte daher vor Pessimismus gewarnt: Die aktuelle Stimmung in der Wirtschaft ist nach Einschätzung der Zentralbank-Volkswirte deutlich schlechter als die tatsächliche Lage.

Der DIHT hat für das kommende Jahr seine Wachstumserwartungen leicht nach unten korrigiert. "Wenn alles gut geht, könnten es 2,8 Prozent werden", sagte DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser am Donnerstag in Berlin. Zuvor war der Verband von einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent ausgegangen. In den neuen Ländern sollen es ein bis zwei Prozent sein. Zwar sei derzeit die konjunkturelle Lage besser als die Stimmung bei den 25 000 befragten Unternehmen. Der gewerkschaftsfreundliche Kurs der Bundesregierung sowie die Abkühlung der US-Konjunktur trübten das Klima, teilte Schoser mit. So hätte die Verschlechterung der Abschreibungsbedingungen das Investitionsklima beeinträchtigt.

Dennoch wird der Arbeitsmarkt laut DIHT spürbar entlastet. Schoser sagte, er rechne mit 300 000 zusätzlichen Stellen für das laufende Jahr. In Süddeutschland bilde der Mangel an Fachkräften einen Engpass für die Ausweitung der Produktion. Positiv auf die Erwartungen zur künftigen Entwicklung wirke sich die nachlassende Teuerung in der Euro-Zone aus.

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