Wirtschaft : Deutsche Konzerne verdienen besser

Experten erwarten auch für das kommende Jahr steigende Gewinne / Bei vielen Firmen sollen sich die Stellenstreichungen auszahlen

Ulf Sommer

Düsseldorf - Deutschlands Konzerne werden profitabler. Von der in dieser Woche beginnenden Hochphase der Berichtssaison erwarten Experten, dass die Gewinne zweistellig wachsen und die Umsatzrenditen für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich hoch ausfallen werden. Die Aussichten für 2007 erscheinen ebenfalls gut – viele Unternehmen haben noch große Restrukturierungspotenziale. Trotz schwächerer Konjunktur dürften die Gewinne deshalb noch stärker zulegen als in diesem Jahr. Damit stehen die Konzerne vor ihrem vierten Rekordjahr.

Nach Berechnungen des Finanzdatenspezialisten Factset/JCF werden die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) 2006 zwölf Prozent mehr verdienen als im Vorjahr. Die Steigerungsrate wäre damit zwar geringer als 2006 (25 Prozent). Aber die Aussichten sind gut: „Mit Ausnahme der Technologie-Unternehmen zeigt der Gewinntrend seit Jahresbeginn nach oben“, sagt Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Abgesehen vom Chiphersteller Infineon, der am Freitag einen Verlust bekannt gab, dürften die Dax-Konzerne allesamt Gewinne erwirtschaften. Bei Factset laufen die Prognosen der großen Investmentbanken und die Erwartungen der Unternehmen zusammen.

In dieser Woche legen mit Schering am Dienstag sowie mit Daimler-Chrysler, Lufthansa, VW und Siemens am Donnerstag fünf Dax-Unternehmen ihre Halbjahreszahlen vor. Trotz schwacher Starts der beiden Technologiefirmen - neben Infineon enttäuschte SAP mit seinen Softwarelizenz-Verkäufen - werden die Unternehmen weiter kräftig wachsen. Für das gerade abgeschlossene zweite Quartal errechnet die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) einen Gewinnzuwachs um 28 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro. Für deutsche Verhältnisse waren die Geschäfte demnach ungewöhnlich profitabel: 5,5 Prozent vom Umsatz haben die Dax-Konzerne verdient, im langfristigen Mittel waren es lediglich 3,5 Prozent.

Damit hinken sie dem internationalen Standard allerdings immer noch weit hinterher. In Europa erzielen die 50 größten Unternehmen nach Berechnungen des Finanzdatenspezialisten Datastream Gewinne von sieben Prozent vom Umsatz, in den USA kommen die 30 Firmen im Dow-Jones sogar auf neun Prozent. Ebenso viel verdienen die 50 größten Unternehmen weltweit.

Experten sind überzeugt, dass der Aufholprozess hier zu Lande gerade erst in Gang kommt. „Unternehmen wie Continental und MAN drehten bereits stark an der Kostenschraube, doch Firmen wie Daimler-Chrysler, VW und die Deutsche Telekom haben noch viel Potenzial“, sagt LRP-Experte Andreas Hürkamp. Sein Team erwartet, dass die Umsatzrendite in den nächsten Jahren steigen und keinesfalls mehr auf das alte Niveau zurückfallen wird. Im Boomjahr 2000 erzielten die Firmen schon einmal ähnliche Renditen. Doch sie erwiesen sich als Strohfeuer.

Grund für den jetzigen Optimismus ist, dass viele Unternehmen ihre Strukturen nachhaltig umbauen. So konzentriert sich Siemens auf gewinnträchtige Bereiche. Nach dem Verkauf der Handysparte lagerten die Münchener die ebenfalls angeschlagene Kommunikationssparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia aus. Branchenkreise spekulieren zudem über den Verkauf der schlecht laufenden IT-Tochter SBS. Nachdem der Siemens-Gewinn 2005 um elf Prozent eingebrochen war, soll er laut Factset in diesem Jahr um 18 Prozent zulegen.

Besonders stark werden die Automobilfirmen profitieren. So will Daimler-Chrysler mehr als eine Milliarde Euro einsparen. „Auch Volkswagen, Deutsche Telekom und der Versicherer Allianz haben bislang kaum die Möglichkeiten der Globalisierung genutzt“, sagt Hürkamp. Die drei Konzerne haben für die nächsten Jahre umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt, allein die Telekom will bis 2008 rund 32 000 Arbeitsplätze streichen.

Der Umbau der Konzerne geht mit steigenden Nettogewinnen einher. Zuwächse von mehr als 40 Prozent prognostiziert Factset in diesem Jahr für VW und den Nutzfahrzeughersteller MAN. Auch bei Continental liegt die erwartete Umsatzrendite deutlich über dem Durchschnitt. 2007 werden die Dax-Konzerne laut Factset noch stärker wachsen: Die Experten sagen eine Gewinnsteigerung von 13 Prozent voraus. Haupttreiber sind dann Schwergewichte wie Allianz, Daimler-Chrysler, VW und Siemens. Sie wachsen überdurchschnittlich und profitieren von Restrukturierungen.HB

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