Wirtschaft : Deutsche Manager verdienen spitze

Studie: Kein Nachholbedarf im europäischen Vergleich / Staatsanwalt lässt bei Ackermann nicht locker

Dieter Fockenbrock,Karen Wientgen

Berlin - Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf will die Freisprüche im Mannesmann-Prozess nicht hinnehmen und legt Revision beim Bundesgerichtshof ein. Das teilte die Behörde am Freitag mit. Das Landgericht hatte tags zuvor unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vom Vorwurf der schweren Untreue freigesprochen. Die Ankläger hatten dagegen zum Teil Haftstrafen ohne Bewährung gefordert.

Der Prozess hatte eine Debatte über die Höhe von Manager-Gehältern und damit verbunden auch über Abfindungen neu entfacht. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, warf am Freitag den Unternehmen erneut vor, „mit doppelter Elle“ zu messen. In den Chefetagen würden selbstverständlich Topverdienste amerikanischer Konzernchefs als Maßstab genommen, die Arbeitnehmer sollten sich dagegen am Lohnniveau osteuropäischer Arbeitnehmer orientieren.

Ackermann und andere Manager argumentieren immer, dass Deutschland Nachholbedarf bei den Bezügen der Führungskräfte habe. Untersuchungen zeigen aber, dass deutsche Manager im europäischen Vergleich an der Spitze liegen.

Im Schnitt erhielten sie 2003 Bezüge von 3,3 Millionen Euro – darunter Basisgehalt, Aktien und Aktienoptionen – und lagen damit an zweiter Stelle hinter der Schweiz. Das berichtet das britische Marktforschungs-Unternehmen BoardEx in seiner Rangliste über die 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas. Manager in Frankreich, Großbritannien und Spanien verdienen deutlich weniger. Schwedische Unternehmenschefs erhalten nicht einmal ein Drittel soviel wie die deutschen Firmenbosse. Nur auf die Schweiz dürften deutsche Top-Manager mit Neid schauen: Im Nachbarland, das einige der weltgrößten Banken, Pharmakonzerne und Versicherer beherbergt, verdient ein Unternehmenschef im Schnitt fünf Millionen Euro – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr hat sich die Managementvergütung bei den Eidgenossen um 50 Prozent erhöht. Der Chef der Schweizer Großbank UBS, Marcel Ospel, verdiente 11,1 Millionen Euro. Dabei sind laut Studie langfristige Gehaltsanreize noch nicht eingerechnet. Vor allem der gebürtige Schweizer Ackermann, so heißt es in Frankfurter Bankenkreisen, nehme sich die Schweiz gerne zum Vorbild. Ackermanns Einkommen beläuft sich für 2003 nach Unternehmensangaben ebenfalls auf elf Millionen Euro – alles inklusive allerdings.

US-Manager verdienen noch immer mehr als europäische Führungskräfte. Sie erhalten für ihre Arbeit im Durchschnitt mehr als doppelt so viel. Die Europäer schließen allerdings auf. Managergehälter sind aber nicht nur in Deutschland ein Thema. Auch in der Schweiz ist die Frage nach mehr Transparenz laut geworden. Die Schweizer Regierung will von Unternehmen künftig verlangen, das Einkommen jedes Vorstandsmitglieds im Detail offen zu legen, und nicht nur das Gehalt des bestbezahlten Vorstands anzugeben. Von den deutschen Schwergewichten im Börsenindex Dax geben erst ein Drittel detailliert an, was die einzelnen Vorstände verdienen. Die Bundesregierung setzt noch auf freiwillige Regeln.

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