Wirtschaft : Deutsche Mineralölindustrie: 4000 Tankstellen vor dem Ende

ews/jsn

Die deutsche Mineralölindustrie steht vor dem Umbruch. Das Mineralöl rangiert mit einem Anteil von 40 Prozent am Primärenergieverbrauch zwar mit Abstand auf Rang eins; doch haben wichtige Mineralölprodukte in den letzten Jahren starke Absatzrückgänge hinnehmen müssen. Und für die nächsten Jahre sind sowohl bei den Vergaserkraftstoffen als auch beim leichten Heizöl weitere Einbußen in Sicht. Jede vierte Tankstelle wird über kurz oder lang geschlossen werden; bei den Raffinerien drohen Stilllegungen.

Vor diesem Hintergrund ist es für die Branchen nur ein geringer Trost, dass das schon lange eingeläutete Ende des Ölzeitalters noch nicht in Sicht ist, sondern dieser Energieträger wohl auch im Jahr 2020 zwischen 35 und 40 Prozent des Primärenergiebedarfs in der Welt decken wird. Deutschland wird als Raffineriestandort immer weniger attraktiv, weil hier zu Lande die Umweltschutzkosten schon heute einen Spitzenwert im internationalen Vergleich erreichen und eine neue staatliche Verteuerungswelle ansteht. Die Mineralölverarbeiter beziffern diese ökologischen Kostennachteile gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern auf vier bis fünf Mark je Tonne Mineralöl. Hochgerechnet auf das Jahr sind das 500 Millionen Mark.

Angesichts des rückläufigen Absatzes von Benzin kommt das Hamburger Fachblatt "Erdöl-Energie-Informationsdienst (EID)" zu der Schlussfolgerung, dass 4000 von derzeit mehr als 16 300 Stationen schließen müssten. Trotz des Preiskrieges im letzten Jahr und tiefroter Zahlen im Tankstellengeschäft ist die Zahl der Stationen laut EID im vergangenen Jahr allerdings nur ganz geringfügig zurückgegangen. Ein so geringes Minus von weniger als 100 Tankstellen habe es in den gesamten Neunziger Jahren nicht gegeben, heißt es in Hamburg.

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