Wirtschaft : Deutsche Pfandbrief Bank AG: Die Wiesbadener Depfa-Gruppe steht vor der Spaltung

Die Wiesbadener Depfa-Gruppe steht vor der selbstverordneten Spaltung. 2002 sollen die Staatsfinanzierung und das Immobiliengeschäft getrennte Wege gehen. Möglicherweise wird dies auch zu zwei unabhängigen börsennotierten Bankengruppen führen. Diese Planungen wurden vom Vorstand der Depfa Deutsche Pfandbrief Bank AG am Mittwoch in Wiesbaden veröffentlicht. Noch viel stärker als bisher sollen im Immobiliengeschäft institutionelle Kunden im Visier stehen. Das Privatkundengeschäft, nach Einschätzung der Depfa-Manager ohnehin zu klein, gerät dagegen ins Abseits.

Ein zentrales Argument für die Neuausrichtung sind die Interessen der Aktionäre. Eine reine Staatsfinanzierungsbank komme nach Analystenberechnungen 2002 allein auf eine Marktbewertung von 4,5 bis fünf Milliarden Euro, während der gesamte Depfa-Marktwert zurzeit bei rund 3,2 Milliarden Euro liege. Zweites Motiv für die Neuorientierung seien die enormen Unterschiede der beiden "konträren Geschäftsfelder" und der seit Euro-Einführung rapide veränderte Markt. Die Bündelung zweier konträrer Geschäftsfelder schränke die Möglichkeiten erheblich ein. "Das ist viele Jahre gut gegangen, solange Deutschland durch den Zaun der Währung abgeschirmt war. Jetzt geht das nicht mehr", sagte Vorstandsprecher Karl-Heinz Glauner.

Die künftige Staatsfinanzierungsbank soll künftig von der Depfa Bank Europe plc mit Sitz in Dublin geführt werden. Ziel der Bank ist die Positionierung als "weltweit führender Finanzdienstleister für öffentliche Hände weltweit". Ein Umzug des gesamten Geschäftes nach Irland ist damit aber nicht verbunden, versichert der Vorstand. Die Depfa Bank AG wird künftig als Geschäftsbank die Obergesellschaft des Depfa-Konzerns sowie der neuen Immobilienbank sein. Sie soll sich auf internationale Gewerbekunden und die Wohnungswirtschaft konzentrieren. Für das Privatkundengeschäft nach bisherigem Muster fehle dagegen die "kritische Masse". Daher soll das bestehende Geschäft schrittweise abgegeben werden.

Konzernweit schrumpfte der Vorsteuergewinn in den ersten drei Quartalen um 46 Prozent auf 183 Millionen Euro. Nach Steuern fiel der Gewinn um 37 Prozent auf 112 Millionen Euro. Der Vorstand ist sich aber sicher, dass 2001 der Jahresüberschuss bei rund 300 Millionen Euro liegen und damit an das Rekordjahr 1999 anknüpfen wird.

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