Wirtschaft : Deutsche Politiker zieht es nach Davos

Merkel, Schäuble und Brüderle nehmen am Weltwirtschaftsforum teil

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Wieder dabei. Zuletzt war Bundeskanzlerin Angela Merkel 2009 in Davos. Foto: AFP
Wieder dabei. Zuletzt war Bundeskanzlerin Angela Merkel 2009 in Davos. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Die Bundesregierung wird beim Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar stark vertreten sein. Nach einem Jahr Pause plant Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wieder teilzunehmen, erfuhr der Tagesspiegel aus der Bundesregierung. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will in die Schweiz reisen, sagte ein Sprecher seines Hauses. Wirtschaftsminister Wolfgang Brüderle (FDP) hat die Reise nach Angaben einer Sprecherin ebenfalls „fest eingeplant“. Im Zentrum des Treffens steht eine Reform des Weltwährungssystems, wie sie die G-20-Staaten unter französischer Präsidentschaft in Angriff nehmen wollen.

Nicht teilnehmen will dagegen Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Offen ist, ob die deutschen Ministerrivalitäten des vergangenen Treffens eine Neuauflage erfahren: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich nach Angaben seines Hauses noch nicht entschieden, ob er diesmal teilnimmt. Beim Weltwirtschaftsforum vor elf Monaten war Brüderle bitter aufgestoßen, dass Guttenberg auftrat, als wäre er noch Wirtschaftsminister, und ein großes Frühstück für wichtige Manager gab.

Das Forum findet in einem Monat zum 41. Mal statt und steht diesmal offiziell unter dem Motto „Gemeinsame Normen für die neue Realität“. Mit der neuen Realität ist eine Welt gemeint, in der die Zahl der Machtzentren zunimmt und zugleich die Entwicklung schwankender verläuft. „Die Welt war noch nie mit so vielen verschiedenen komplexen Herausforderungen zur gleichen Zeit konfrontiert“, sagte der Gründer und Vorsitzende des Forums, der Deutsche Klaus Schwab, vorab in einer Videobotschaft. Das Treffen wolle Klarheit über den wirtschaftlichen Ausblick bieten und vor allem die G 20 unterstützen, die im neuen Jahr unter französischem Vorsitz tagen.

Präsident Nicolas Sarkozy, der beim vorigen Treffen in Davos eine viel beachtete Rede über die negativen Effekte der Globalisierung gehalten hatte, nimmt große Ziele auf seine G-20-Agenda, unter anderem eine Reform des internationalen Währungssystems und Maßnahmen gegen hohe Schwankungen der Rohstoffpreise. Bei dem Währungsthema soll Deutschland an gemeinsamen Vorschlägen mitarbeiten und so mit in die Verantwortung genommen werden. Letztlich geht es darum, ob die Leitwährung Dollar gegenüber Euro oder chinesischem Yuan an Bedeutung verlieren soll.

Angela Merkel reist schon seit vielen Jahren regelmäßig nach Davos. Mitte der 90er Jahre war sie, damals die junge Ministerin im Kabinett von Helmut Kohl, als einer der auserwählten „Young Global Leader“ das erste Mal gekommen. 2006, kurz nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin, eröffnete sie das große Managertreffen in den Graubündener Alpen sogar. Diesmal nehmen wieder mehr als 30 Staats- und Regierungschefs, die Chefs zahlreicher internationaler Organisationen und Vorstandsvorsitzende von Konzernen aus der ganzen Welt teil. Insgesamt dürften es an die 3000 Teilnehmer werden.Moritz Döbler

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