Wirtschaft : Deutsche Post AG: Das Image des Ex-Monoplolisten lastet auf dem Börsengang

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Der Showmaster Thomas Gottschalk soll das Image des Staatsbetriebes Post aufbessern. Eben noch ein Werbeträger für Gummibärchen wird Gottschalk ab Ende August im Fernsehen auch für die Post-Aktie werben.

Wahrscheinlich am 6. November soll die Aktie der Deutschen Post AG zum ersten Mal gehandelt werden, bestätigte das Unternehmen am Donnerstag. Die Konditionen für die Ausgabe des Wertpapiers analysiere der Bund als Eigentümer derzeit noch, hieß es in Bonn. Voraussichtlich werde Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) etwa 30 Prozent des Post-Kapitals an die Börse bringen. Wieviel die Aktie kosten soll, werde im September feststehen. Klar sei aber bereits, dass es Frühzeichnerrabatte geben werde. Die rund 300 000 Post-Mitarbeiter könnten mit Sonderkonditionen rechnen.

Die Anteile der Post liegen zur Zeit zu 100 Prozent im Staatsbesitz. 51 Prozent der Anteile hält der Bund direkt, 49 Prozent hat Hans Eichel bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau geparkt (KfW). Aus diesem Portfolio werden Aktien an Investoren abgegeben.

Welchen Erfolg der Börsengang allerdings haben wird, hängt noch von zwei wesentlichen Randerscheinungen ab, die das Risiko für Anleger beeinflussen können. Zum Einen hat die Europäische Wettbewerbskommission angekündigt, dass sie noch bis zum Monatsende ein förmliches Wettbewerbsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland und die Post AG eröffnen will. Brüssel wird darin in den kommenden Monaten untersuchen, ob die Post ihre Monopolstellung auf Teilmärkten (vor allem im Briefdienst) ausgenutzt hat, um andere - defizitäre - Unternehmensbereiche zu subventionieren (hier den Paketdienst) oder sich wettbewerbswidrig Geld für Unternehmenskäufe zu erschaffen. Wie ein Sprecher des Wettbewerbskommissars Mario Monti am Donnerstag dem Tagesspiegel bestätigte, wird es aus Brüssel keine kurzfristige Entscheidung geben. Das heißt, dass Brüssel auch nicht über die Höhe einer eventuellen Strafe entscheiden wird, bevor die Post an die Börse geht. Ein Post-Sprecher versicherte am Donnerstag, dass das Unternehmen "genügend Rückstellungen" bilden wird, um eine solche Strafe zu zahlen.

Zudem muss die Post ab 1. September 2000 mit Gerichtsverfahren wegen der Höhe des Portos für Briefe (1,10 Mark) rechnen. Wie ein Sprecher des Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation bestätigte, verfügt die Post ab September über keine rechtlich abgesicherten Portogebühren. Zwar hatte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) die Tarife zum Jahresanfang per Weisung über den 1. September 2000 hinaus verlängert. Doch der Post-Verband bestreitet den rechtlichen Bestand der Weisung. Bei ab September möglichen Klagen käme das Unternehmen dann gerade vor dem Börsengang wieder in die Schlagzeilen.

Viel Arbeit also für den 50-jährigen Gottschalk, der im Gespann mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Christoph den Börsengang der Deutschen Post AG unterstützen wird. Der Jurist und Manager Christoph Gottschalk soll seinem berühmten Bruder Thomas im Fernsehen erklären, wo die Vorteile der neuen Aktie lägen. Die Gottschalks stehen nach Angaben der Post 18 Monate lang exklusiv zur Verfügung. Für die ersten vier Monate der Werbe-Kampagne hat die Post einen Etat von 100 Millionen Mark veranschlagt.

Ähnlich wie die Deutsche Telekom mit dem Schauspieler Manfred Krug setzt die Post mit Gottschalk auf ein werbewirksames Zugpferd, um die P-Aktie zur Volksaktie zu machen.

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