Wirtschaft : Deutsche Post AG: Das Unternehmen will Beteiligung an DHL ausbauen

wm/hz/kol

Die Deutsche Post strebt die Übernahme des Express-Versenders DHL International an. Mit dem zweiten großen DHL-Eigner, der Deutschen Lufthansa, ist vereinbart, dass die Post alle übrigen DHL-Anteile übernimmt. "Die Post wird weitere Anteile an DHL übernehmen, als Vorbereitung auf einen Börsengang von DHL", bestätigte Lufthansa-Chef Jürgen Weber dem Handelsblatt. Die Lufthansa und die Deutsche Post halten jeweils 25 Prozent plus eine Aktie an DHL, einem der weltgrößten Expressdienstleister. Sie haben ihre Anteile in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt. DHL sei von einem Börsengang nicht mehr sehr weit entfernt, sagte Weber: "Das wird innerhalb der nächsten zwei Jahre passieren." Wie Weber betonte, wird die Lufthansa keine weiteren Anteile an DHL übernehmen, aber ihren Anteil auch nicht an die Post verkaufen. "Ich habe kein Problem damit, wenn die Post damit bei dem Unternehmen eine Führungsrolle übernimmt", sagte Weber. Post-Chef Klaus Zumwinkel will sich erst am heutigen Freitag zu der Angelegenheit äußern.

Ein Sprecher von Japan Airlines (JAL), die noch fünf Prozent an DHL halten, hat bestätigt, dass die Deutsche Post bereits im Juli ein Übernahmeangebot für die Anteile unterbreitet hat. Es werde darüber noch im September entschieden. Die Deutsche Post wolle 29 Prozent der DHL-Anteile aus dem Besitz von JAL und zwei Investmentfonds übernehmen und weitere 21 Prozent aus den Händen des DHL-Managements und der Gründerfamilien.

Offenbar will die Post vor ihrem Börsengang etwas an dem Umstand ändern, dass sie ihre Gewinne fast ausschließlich aus dem vom Wettbewerb nahezu abgeschotteten Briefdienst schöpft. In der Tat leisten die anderen Bereiche wie Logistik und Bankgeschäfte in dieser Hinsicht nur einen Beitrag von rund zehn Prozent. Vor diesem Hintergrund ist der angestrebte Erwerb einer Mehrheit von über 70 Prozent an der DHL International, Bermuda, eine gute Entscheidung. Denn DHL International - dieser Teil der DHL-Gruppe ist für alle Luftfracht-Expressgeschäfte außerhalb der USA zuständig - gilt als hoch profitables Unternehmen.

Allerdings dürfte der Erwerb einer Mehrheit für die Post nicht billig werden. Der Gesamtwert von DHL wird zurzeit auf 44 Milliarden Mark geschätzt. DHL International veröffentlicht keine Bilanz. Im Jahr 1999 erreichte der Umsatz, der mit der Beförderung von eiligen Sendungen im interkontinentalen Transportgeschäft gemacht wird, 7,8 Milliarden Mark. Nach Einschätzung von Brancheninsidern wird seit Jahren ein Vielfaches dessen verdient, was Lufthansa Cargo im Geschäftsbericht ausweist. Ganz zu schweigen von der Post, die im internationalen Frachtgeschäft mit ihrer Gesellschaft Deutsche Post World Net in Anlehnung an ihre Töchter Danzas und Air Express International (AEI) gemessen an Lufthansa und DHL noch am Anfang steht.

DHL verfügt unter anderem über 12 000 Kraftfahrzeuge und 110 Frachtflugzeuge. Damit hebt sich DHL sowohl von Speditionen ab, die Expressverkehre ausschließlich organisieren und Transportleistung einkaufen, als auch von Airlines, die sich auf das Fliegen beschränken. DHL investiert zurzeit zwei Milliarden Mark in die Umrüstung von 44 gebrauchten Boeing 757, die bislang Fluggäste beförderten.

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