Wirtschaft : Deutsche Post AG: Das Unternehmen will gegen Zeitungsverlage klagen

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Mehrere deutsche Zeitungsverlage wollen der Deutschen Post AG bundesweit Konkurrenz beim lukrativen Briefgeschäft machen. Wie die "Wirtschaftswoche" am Mittwoch berichtete, planen acht Verlage und Tageszeitungen dazu am kommenden Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens namens Zweite Deutsche Post (2DP). Künftig wollen die Partner demnach auch Briefe unter 200 Gramm befördern.

Für Sendungen in dieser Gewichtsklasse hat die Deutsche Post eine so genannte Exklusivlizenz bis Ende 2007; Konkurrenten bekommen bei der Bonner Regulierungsbehörde nur eine Lizenz, wenn sie zusätzliche Leistungen erbringen. Entsprechende "D-Lizenzen" für das bundesweite Geschäft besitzen über Tochterfirmen bereits unter anderem die Verlagsgruppe Madsack in Hannover und die "Saarbrücker Zeitung", die wie die "Wirtschaftswoche" und der "Tagesspiegel" zur Holtzbrinck-Gruppe zählt.

In das geplante Gemeinschaftsunternehmen sollen nach Angaben der Wirtschaftswoche Investitionen in Höhe von 500 Millionen Mark (knapp 256 Millionen Euro) fließen. Mittefristig soll 2DP der Deutschen Post damit bis zu 30 Prozent des Briefgeschäftes abspenstig machen. Dem Staatskonzern drohen demnach massive Einnahmeverluste. Im Briefgeschäft hatte die Post im vergangenen Jahr insgesamt zwei Milliarden Mark umgesetzt. In mehreren Regionen haben die Zeitungsverlage bereits mit der Zustellung von Briefen begonnen. Um das staatlich gesicherte Briefmonopol der Deutschen Post nicht zu verletzen, müssen sie dabei Zusatzleistungen anbieten, etwa die Sendungen beim Kunden abholen oder eine bestimmte Zustellzeit garantieren.

Die Deutsche Post AG reagierte am Mittwoch gelassen auf die Ankündigung der Verlage. Schon jetzt würden insgesamt 900 Unternehmen in Deutschland über D-Lizenzen verfügen, sagte ein Postsprecher dem Tagesspiegel. Viele Zeitungsverlage seien darunter. Die meisten Unternehmen würden Mehrleistungen erbringen, indem sie die Zustellung der Briefe bereits am Tag des Absendens garantierten, sagte der Sprecher. Dies werde von der Post akzeptiert.

Gerichtliche Schritte kündigte der Postsprecher allerdings im Hinblick auf den von den Verlagen für das Gemeinschaftsunternehmen gewählten Namen 2DP an. "Den werden wir verhindern", sagte er. Ob die Post auch gegen das Geschäftsmodell der Verlage vorgehen wird, wolle man erst nach genauerer Prüfung entscheiden.

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