Wirtschaft : Deutsche Post AG: Der "gelbe Riese" fühlt sich als Global Player

Die Deutsche Post AG sieht sich auf dem richtigen Weg zum weltweiten Marktführer in der Logistik. Der Jahresüberschuss stieg im vergangenen Jahr um 48 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte sogar um 158 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Vorstandschef Klaus Zumwinkel sagte am Freitag auf der Cebit, an die Aktionäre werde eine Dividende von insgesamt 300 Millionen Mark ausgeschüttet.

Auch beim Umsatz verzeichneten die Bonner Bestmarken: Gegenüber dem Vorjahr wurden aus den Sparten Brief, Express, Logistik und Finanzdienstleistungen insgesamt 32,7 Milliarden Euro erzielt. Das war ein Plus von 46 Prozent. Den starken Zuwachs begründete Zumwinkel unter anderem mit Zukäufen wie Air Express International in den USA und DSL-Bank. "Die Geschäftszahlen zeigen die äußerst dynamische Entwicklung der Deutschen Post zum Global Player", sagte der Konzernchef. So will Zumwinkel den Ausbau des Unternehmens zum weltweit führenden Logistikkonzern in diesem Jahr weiter vorantreiben. Wenn sich gute Chancen für Übernahmen bieten sollten, würden diese geprüft. "Wir haben noch eine Menge drauf", sagte er.

Ende 2000 entfiel auf das Ausland bereits ein Umsatzanteil von 29 Prozent - mit weiter steigender Tendenz. So rechnet Zumwinkel unter anderem durch die volle Konsolidierung von DHL International und Zuwachsraten bei der Tochterfirma Danzas mit einem Auslandsanteil am Umsatz in Höhe von 40 Prozent. Das Geschäftsfeld Brief ist nach wie vor die umsatzstärkste Sparte der Deutschen Post. Hier erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr 11,6 Milliarden Euro und lag damit leicht über dem Vorjahresergebnis. Die Umsätze in den Sparten Express und Logistik erhöhten sich dagegen mit zweistelligen, bei Finanzdienstleistungen sogar mit dreistelligen Zuwächsen. Dies hängt vor allem mit der Eingliederung der DSL-Bank zusammen.

Unterdessen sorgt vor allem die wachsende Front gegen die geplante Verlängerung des Briefmonopols für Unsicherheit bei der Post. Noch sichert die Exklusivlizenz bei Standardbriefen bis 200 Gramm der Post einen ganz erheblichen Teil ihrer Gewinne: 74 Prozent des Jahresüberschuss kamen im vergangenen Jahr aus diesem Bereich. Mit solch hohen Gewinnen wäre nach dem Fall des Monopols Ende 2002 kaum mehr zu rechnen. Das Briefmonopol war 1998 im Postgesetz festgelegt worden. Drei Jahre Schutz vor dem Wettbewerb im Briefgeschäft hielt die damals regierende schwarz-gelbe Koalition für ausreichend, um der Post einen sanften Übergang in die Marktwirtschaft zu gewähren. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sieht das heute anders und verweist auf den unvollkommenen Wettbewerb in der EU: Sollte Deutschland vorpreschen, werde die gelbe Post Opfer der Monopolisten aus den Nachbarländern, so die Argumentation des Ministers. Diese könnten ungestört in Deutschland Marktanteile räubern, während sie selbst auf ihren Heimatmärkten nichts zu fürchten hätten.

Dennoch wächst die Zahl der Gegner: Mittlerweile stemmen sich neben der grünen Bundestagsfraktion auch die Bundesländer mehrheitlich gegen die Pläne Müllers. Ob der Bundesrat bei der Änderung des Postgesetzes aber mitreden darf, ist umstritten. "Die Hinweise verdichten sich, dass die Länder da ein entscheidendes Wort mitreden müssen", bekräftigt Frank Ißleib, Sprecher des FDP-geführten Wirtschaftsministeriums in Rheinland-Pfalz. "Wir wollen, dass der Markt wie geplant geöffnet wird." Die Wettbewerber hätten sich auf das Auslaufen des Monopols Ende 2002 eingestellt. Zudem gehe es "in einer Marktwirtschaft einfach nicht, dass ein Unternehmen durch ein Monopol geschützt solche Gewinne erzielt. Das müssen ja schließlich die Kunden zahlen."

Der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation (DVPT) als Vertretung der Postbenutzer rechnet vor, dass ein an den tatsächlichen Kosten orientiertes Porto für den Standardbrief maximal bei 80 Pfennig liegen dürfe - und nicht wie bislang bei 1,10 Mark. Und die EU-Kommission, die das Post-Porto derzeit prüft, wies bereits darauf hin, "dass der deutsche Postkunde in Europa mit Abstand das höchste Porto bezahlt".

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