Wirtschaft : Deutsche Post: Das Unternehmen baut auf den Paketdienst DHL

Der Vorstandschef der Deutschen Post AG, Klaus Zumwinkel, setzt kurz vor dem Börsengang auf weltweiten Expansionskurs. Die Übernahme weiterer Anteile am marktführenden Paketdienstunternehmen DHL International galt am Freitagnachmittag als sicher. Die Post wollte die seit Tagen umlaufenden Gerüchte am Abend beenden und auf einer Pressekonferenz in Paris über Details informieren. Dem Vernehmen nach wird die Post ihren Anteil am Express-Unternehmen DHL International von 25 auf über 70 Prozent aufstocken. Japan Airlines (JAL), die sechs Prozent der Anteile an DHL halten, bestätigten unterdessen in Tokio, dass die Post AG mit einem Kaufwunsch an sie herangetreten ist.

21 Prozent der DHL-Anteile befinden sich im Besitz von Managern des Unternehmens und der Gründerfamilien, 23 Prozent liegen bei zwei Kapitalfonds. Die Deutsche Lufthansa hält genauso wie die Post AG 25 Prozent plus eine Aktie des in den USA gegründeten, inzwischen aber auf den Bermudas ansässigen Unternehmens. Post und Lufthansa hatten im April eine enge Zusammenarbeit im internationalen Expressgeschäft vereinbart und durch Bündelung ihrer Stimmrechte in der gemeinsamen Gesellschaft Aerologic die Kontrolle bei DHL übernommen.

Mit der Akquisition, die als zentraler Baustein bei den Zukäufen des "Gelben Riesen" gilt, stärke die Post ihre strategische Stellung als bedeutender Global Player im dynamischen Logistikmarkt, urteilen Analysten. Die Post könne damit das weltweite DHL-Netz nutzen und auch in Amerika und Asien Fuß fassen. Dies sei ein gutes Signal für den Börsengang. Die in den USA gegründete DHL International (Sitz Brüssel) gilt als sehr profitables Unternehmen. Mit einem weltweiten Umsatz von rund fünf Milliarden Euro 1999 ist DHL Branchenführer mit einem geschätzten Marktanteil von rund 40 Prozent. Für das auf schnellen Transport von Sendungen ausgerichtete Unternehmen arbeiten mehr als 64 000 Beschäftigte. In 228 Ländern rund um den Globus gibt es Niederlassungen. In Branchenkreisen wird der Wert von DHL auf knapp 50 Milliarden Mark beziffert. Auch im Wachstumssektor E-Commerce, in dem die Post (PR-Spruch: "Bestellte Waren müssen auch geliefert werden") eine führende Partnerrolle als Logistikdienstleister anpeilt, ist DHL bereits gut aufgestellt.

Post-Chef Zumwinkel hat das früher behäbige Staatsunternehmen Post mit dem noch gewöhnungsbedürftigen Dachnamen "Deutsche Post World Net" neu positioniertund bereits zahlreiche Paket- und Kurierdienste sowie das Schweizer Logistikunternehmen Danzas aufgekauft. Die Post ist damit Marktführer im Paket- und Expressgeschäft geworden. Auch über den Kauf des französischen Frachtunternehmens Geodis wurde jüngst spekuliert. Der internationale Anteil des Post-Umsatzes schnellte von 1998 noch 2,1 Prozent auf 21,6 Prozent im Jahr 1999 empor, und die Post ist weiter dabei, durch den Kauf ausländischer Unternehmen ihre globale Präsenz zu erweitern.

Bei dem für November fest geplanten Börsengang - als "Arbeitstermin" wird der 6. November genannt, der sich aber möglicherweise noch verschiebt - wird der Bund als Alleineigentümer voraussichtlich in einer ersten Tranche gut ein Viertel seiner Anteile anbieten. Seit Wochen lautet die Zumwinkel-Formel: "Es werden zwischen 25 und 33 Prozent sein, eher am unteren Rand dieser Spanne." Das Geld wird der Bund allerdings nur für die Zahlungen der Post-Pensionskasse verwenden. Neue Akquisitionen kann die Post daraus nicht bezahlen.

Für potenzielle Anleger ist die Ertragslage der Post ein wichtiges Kriterium. Hier gibt es allerdings bislang eine einseitige Abhängigkeit vom Briefgeschäft, bei dem die Post bis Ende 2002 noch über ein weitgehendes Monopol verfügt. Was danach wird, ist unklar. Zumwinkels erklärtes Ziel ist es, diese Abhängigkeit - bislang rund 95 Prozent - schrittweise zu verringern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben