Wirtschaft : Deutsche Post: Der Bund will sich von dem Unternehmen trennen

Die Bundesregierung will im kommenden Jahr weitere Anteile an der Deutschen Post verkaufen. Dies könne auch heißen, dass der Bund die Mehrheit an dem Unternehmen abgebe, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Post-Chef Klaus Zumwinkel sagte in Bonn, es gebe noch keine Entscheidung, wann eine zweite Tranche Post-Aktien an die Börse gebracht werde. Für das Jahr 2001 kündigte Zumwinkel weitere Zuwächse bei Umsatz und Ertrag an. Die Post-Aktie gab deutlich nach.

Wenn der Bund sich von mehr als 50 Prozent seiner Post-Aktien trennen will, ist dafür eine Gesetzesänderung erforderlich. Die Sprecherin des Finanzministeriums sagte, eine Gesetzesänderung sei im zweiten Halbjahr 2001 geplant, um die Voraussetzungen für den Verkauf weiterer Anteile zu schaffen. Ob die Bundesregierung im kommenden Jahr tatsächlich weitere Post-Aktien verkaufe, hänge wesentlich auch von den dann bestehenden Bedingungen am Kapitalmarkt ab. Grafik: Deutsche Post Aktie Der Bund hatte im November 2000 über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 29 Prozent der Post-Anteile verkauft. Inzwischen ist die Post-Aktie im Deutschen Aktienindex (Dax) notiert. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) hatte in der Vergangenheit betont, der Bund plane, die Post vollständig zu privatisieren. Bisher hatte er dafür aber keinen Termin genannt. Bund, Post und Banken hatten für dieses Jahr den Verkauf einer weiteren Tranche bereits ausgeschlossen. Bis 19. November 2001 gilt ohnehin eine Sperrfrist für den Mehrheitsaktionär Bund.

Umsatzsteigerungen erwartet

Zum möglichen Zeitpunkt des Verkaufs sagte Post-Chef Zumwinkel auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens: "Wenn es im nächsten oder übernächsten Jahr wäre, könnte ich es wohl gut heißen." Im laufenden Jahr steht bei der Deutschen Post die Integration der zahlreichen Übernahmen in den Bereichen Express, Logistik und Finanzdienstleistungen auf der Tagesordnung. "Es geht jetzt darum, die riesigen Potenziale, die im Konzern liegen, sinnvoll zu nutzen. Im Vordergrund steht dabei die vollständige Integration der Akquisitionen," sagte Zumwinkel. Eine präzise Prognose für das Geschäftsjahr 2001 wollte er nicht geben. Zahlen zum Verlauf des ersten Quartals und einen Ausblick auf 2001 will die Post erst am 30. Mai vorlegen.

Nur so viel: Die Post erwartet für das erste Quartal "durch Akquisitionen und organisches Wachstum in allen vier Geschäftsbereichen" eine Umsatz-Steigerung im zweistelligen Bereich und beim betrieblichen Ergebnis (Ebitda) eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres. "Die gleiche Erwartung haben wir bei Umsatz und Ergebnis auch für das Gesamtjahr", sagte Zumwinkel.

Im Jahr 2000 hatte die Post ihren Umsatz und den Gewinn noch um jeweils fast 50 Prozent auf 32,7 Milliarden Euro beziehungsweise 1,53 Milliarden Euro gesteigert. Die bislang dominierende Briefsparte soll nach Zumwinkels Worten mittelfristig nur noch rund die Hälfte zum operativen Konzernergebnis (Ebitda) der Post beitragen. Der Ergebnisanteil des Bereichs werde innerhalb der kommenden vier Jahre auf etwa 50 von derzeit mehr als 70 Prozent sinken.

Das größte Ergebnis-Wachstum im Jahr 2000 erzielte der Bereich Finanzdienstleistungen mit der Postbank, die sich mit zehn Millionen Kunden und einem Sparvolumen von 31 Milliarden Euro zu einer der größten Banken Deutschlands zählt. Der Bereich legte bedingt durch Übernahmen beim Ergebnis von 58 auf 505 Millionen Euro zu. Noch 1998 arbeitete die Postbank defizitär.

Für den Konzern ergibt sich eine Umsatzrendite vor Steuern, Zinsen und Abschreibung von Firmenwerten von 7,3 (Vorjahr: 4,1) Prozent. Die Aktionäre sollen eine Dividende je Aktie von 0,27 (Vorjahr: 0,16) Euro erhalten. Die erste Hauptversammlung der Post findet am 27. Juni in Köln statt.

An der Börse überzeugte die Deutsche Post am Mittwoch nicht. Der Kurs der Aktie Gelb gab bis zum späten Nachmittag um 6,0 Prozent auf 18,05 Euro nach und liegt damit weiterhin deutlich unter dem Ausgabepreis von 21 Euro.

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