Wirtschaft : Deutsche Post: Ein Monopol für die Aktie Gelb

Alfons Frese

"Wir sind fit". Eine solche Aussage eines Postbeamten hätte vor einigen Jahren noch ziemliches Erstaunen provoziert. Am Mittwoch, bei der Vorlage der ersten Bilanz nach dem Börsengang, benutzte Post-Chef Klaus Zumwinkel diese Selbstbeschreibung wie eine Selbstverständlichkeit. Der stolze Zumwinkel hat wirklich viel erreicht. Und doch wird er sich bei genauer Betrachtung der Geschäftszahlen vor Selbstüberschätzung hüten. Der viel versprechende Name Deutsche Post World Net muss erst noch verdient werden, denn gerade mal vier Prozent des Gewinns erwirtschaftet der "internationale Logistikkonzern" und "Global Player Nummer eins" (Zumwinkel) im Geschäftsfeld Logistik. Fast drei Viertel des Gewinns stammen dagegen aus der Briefbeförderung, wo die Post noch immer weitgehend ohne Konkurrenz wirtschaften darf. Wie fett hier die Monopolrendite ist, zeigt das Briefgeschäft im Jahr 2000: der Umsatz stagnierte, der Gewinn wurde annähernd verdoppelt. Gerade eben erst hat die Bundesregierung die Verlängerung des Briefmonopols bis 2007 mit dem Argument beschlossen, in anderen europäischen Ländern sei die Liberalisierung der Postdienste noch lange nicht soweit wie in Deutschland. Das ist zwar nicht falsch. Aber der Bund als Mehrheitseigentümer der Post verfolgt dabei ganz naheliegende Ziele: Je länger das Briefmonopol läuft, desto schwärzer sind die Zahlen und desto höher dürfte der Preis für die nächste Tranche der Aktien liegen, die die Regierung im kommenden Jahr ausgeben will. Zumwinkel bekommt von der Politik etwas Zeit, mehr nicht. Wenn die Abhängigkeit vom Brief nicht bald reduziert wird, dann macht die Aktie Gelb den Aktionären in den nächsten Jahren nicht viel Freude.

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