Wirtschaft : Deutsche Post: Post-Modern (Kommentar)

Antje Sirleschtov

Reich werden mit der Deutschen Post? Kein Zweifel soll erlaubt sein - spätestens ab morgen wird der gelbe Konzern der Postboten nichts unversucht lassen, die Deutschen davon zu überzeugen, dass sie am 6. November zahlreich zu Aktionären der Post werden müssen. Riesenplakate an allen Wänden, Thomas Gottschalk auf allen Kanälen: Ganz gelb vor Neid sollen die Konkurrenten werden, wenn Post-Chef Klaus Zumwinkel in den kommenden Wochen rund 100 Millionen Mark in einen Werbefeldzug steckt, der nicht nur Aufsehen erregender, sondern auch teurer werden soll als alles, was man bisher von Börseneinführungen kannte.

Doch warum diese geballte Macht der Superlative? Warum ein solches Vermögen in Werbung stecken, wo doch das traditionsreiche Unternehmen mit dem Posthorn ohnehin jedem Kind bekannt ist? Warum gerade jetzt in Bonn eine riesenhafte Firmenzentrale bauen, die nicht nur im Rheinland für Entsetzen sorgt, weil sie mit 162 Metern höher als der Kölner Dom ausfällt?

Es wird das letzte Mal sein, dass der deutsche Staat eines seiner großen Unternehmen privatisiert. Auch wenn der Bundesfinanzminister den Aktionären in diesem Herbst nicht mal die Hälfte der Postaktien zum Handel freigeben wird. Nach Lufthansa und Telekom wird der Börsengang der Deutschen Post zum spektakulären Ausstieg des Bundes aus der Welt der Unternehmen - und damit auch zum Beginn einer Zeitrechnung, in der sich der deutsche Staat auf das Regeln wirtschaftlicher Zusammenhänge statt auf das Einmischen in dieselben konzentriert. Wenn das kein Grund für einen pompösen Börsengang ist!

Doch Vorsicht: Die Geschichte der Post ist alles andere als eine ordnungspolitische Glanzleistung. Weil der Bund und seine Kreditanstalt für Wiederaufbau auch nach dem Börsengang Mehrheitsgesellschafter bleiben, hat die Bundesregierung den Markt für Postleistungen in Deutschland eigennützig eingeschränkt. Noch ein paar Jahre werden die Postillione von Klaus Zumwinkel die Einzigen sein, die Briefe in Deutschland befördern dürfen.

Und auch den Preis für diese Dienstleistung wird bis auf Weiteres der gelbe Monopolist selbst bestimmen und nicht der Wettbewerb. Das ist - kurzfristig betrachtet - gut für den Bundeshaushalt. Und es ist - kurzfristig betrachtet - auch gut für die 300 000 Mitarbeiter der Post, die der rauhe Wind des Wettbewerbs nicht sofort mit geballter Wucht erwischt. Doch es ist ganz bestimmt nicht gut für die Aktionäre.

Der Druck auf die Deutsche Post - und die Renditen der künftigen Aktionäre - wächst. Immer offensiver wehren sich die Konkurrenten dagegen, dass Klaus Zumwinkel sein Preis- und Marktmonopol bei Briefen ausnutzt, um ihnen zu schaden. Nicht nur, dass die Post im Ausland Briefe austrägt, dasselbe aber anderen im Heimatmarkt verwehrt. Mit den Gewinnen aus dem Briefgeschäft subventioniert sie nach Auffassung der Wettbewerber den Paketdienst und drängt auch hier Nebenbuhler aus dem Geschäft.

Gleich in mehreren Verfahren hat deshalb EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti zu entscheiden, ob die Post ihre Marktstellung rechtswidrig ausgenutzt hat. Findet er dafür Beweise, dann wird die Post Millionenstrafen zahlen müssen. Und dann wird auch die Konkurrenz den gelb-blauen Postillionen verstärkt an den Fersen kleben.

Wie aber will die Post solchen Widerstand verkraften? Noch immer ringen mehr als zwei Dutzend Unternehmen, die Postchef Zumwinkel in den vergangenen Jahren in aller Welt zusammengesammelt hat, um eine gemeinsame Strategie im Konzern. Und auch das Nebeneinander von Mitarbeitern, die bis vor kurzem noch Beamte waren, und solchen, die sich bereits als Dienstleister verstehen, sorgt immer wieder für Zoff im gelben Konzern. Reich werden mit der Deutschen Post? Zweifel daran gibt es genug.

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