Wirtschaft : Deutsche Post schmiedet Transportriesen

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Deutsche Post setzt ihre Einkaufstour fort und stärkt ihre Position als größtes Post- und Logistikunternehmen in Europa.Für umgerechnet rund 1,8 Mrd.DM will das Bonner Staatsunternehmen die Schweizer Danzas-Gruppe in Basel übernehmen.Danzas gehört zu den weltweit führenden Logistikkonzernen.

Erst durch die Zusammenführung beider Firmen, die keinen Arbeitsplatz kosten soll, könne die Post alle Transport- und Logistik-anforderungen abdecken und damit weltweit wirklich wettbewerbsfähig werden, betonte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel am Donnerstag.

590 Schweizer Franken bietet die Post den Danzas-Aktionären pro Aktie.Dies liegt 36 Prozent über dem Kurs des Danzas-Papiers vom Mittwoch und 48 Prozent über dem Kursniveau der letzten sechs Monate.Von Mitte Januar bis Mitte Februar können die rund 1400 Danzas-Aktionäre, von denen keiner mehr als fünf Prozent hält, über das Angebot befinden."Das ist ein realistischer Preis", glaubt Zumwinkel.Die Post wird den Gesamtbetrag von rund 1,8 Mrd.DM aus liquiden Mitteln bestreiten.Vor allem durch den Verkauf von lukrativen Innenstadtimmobilien kann die Post derzeit viel Geld in die Kasse holen.

Nach Ansicht des Post-Chefs werden internationale Logistikangebote aus einer Hand zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor."Im Wettbewerb werden sich deshalb nur die Anbieter durchsetzen können, für die Logistikmärkte keine nationale Angelegenheit sind und die eine möglichst umfassende Angebotspalette bereithalten." Mit dem Erwerb von Danzas will Zumwinkel vor allem die internationale Achse des Unternehmens stärken.Danzas ist heute mit knapp 16 000 Mitarbeitern und 600 Geschäftsstellen in 50 Ländern rund um den Globus tätig.Vor allem der europäische Land-Transport, die Luft- und Seefracht sowie die Logistik für Konsum- und Industriegüter soll mit dem Zusammenschluß gestärkt werden.Bei der Logistik geht es darum, für Kunden auch einen Teil der Lagerhaltung zu übernehmen.Die bisherigen Transportbereiche von Post und Danzas ergänzen sich ideal."Es gibt keine Produktüberschneidungen", betont Zumwinkel.Deshalb erwartet er auch keine Einwände der Kartellbehörden.Die EU-Kommission kündigte an, sie werde die Übernahme prüfen, sobald sie angemeldet sei.

"Unser Zusammenschluß ist kein Rationalisierungsvorhaben, dem Arbeitsplätze zum Opfer fallen".Im Gegenteil, so Zumwinkel und Danzas-Chef Peter Wagner, es gebe sogar Möglichkeiten für neue Arbeitsplätze.Bei dem neuen Unternehmen werden rund 266 000 Mitarbeiter beschäftigt sein, der Umsatz wird bei 35,5 Mrd.DM liegen.Für Danzas arbeiten derzeit in Deutschland rund 2500 Menschen.

Firma, Markenname und Sitz von Danzas in Basel werden unter dem Dach der Post beibehalten, Zumwinkel wird Vorsitzender des Danzas-Aufsichtsrats, Danzas-Chef Wagner rückt in den Vorstand der Post.Er wird dort weltweit für den Bereich Logistik verantwortlich sein.Wagner ist ohnehin hocherfreut über das Angebot der Post.Es biete die Chance, noch schneller als geplant zu einem der bedeutendsten Logistikunternehmen der Welt zu werden.Die Übernahme von Danzas betrachtet Post-Chef Zumwinkel als Teil der aus Wettbewerbsgründen notwendigen Expansionsstrategie.Wo die Post sonst noch zugreifen wird, läßt er offen.In der jüngsten Vergangenheit hatte sich die Post beim Speditionsunternehmen Trans-O-Flex einkauft, wichtige Transportfirmen in Polen, Großbritannien und Frankreich übernommen und Ableger in Österreich und der Tschechischen Republik eröffnet.Außerdem hält die Post 25 Prozent am Express-Anbieter DHL International.Die Post gilt mit einem 97er Umsatz von 27,1 Mrd.DM als größtes Postunternehmen in Europa.

Trotz dieser Expansion hat die Post nach Angaben von Zumwinkel genügend Geld, um die bundeseigene Postbank zu übernehmen.Dafür müsse sie selbst nur rund 200 Mill.DM aufbringen.Der Rest des Kaufpreises von rund vier Mrd.DM werde durch Pensionsansprüche an den Bund abgedeckt.1998 will die Post im übrigen ihren Gewinn von 750 Mill.DM auf über eine Mrd.DM steigern.

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