Wirtschaft : Deutsche Post sorgt für englische Patienten

Die Konzerntochter DHL übernimmt die Logistik im staatlichen Gesundheitswesen. Gewerkschaft und Börse sind wenig begeistert

Bernd Hops

Berlin - Die Deutsche Post hat einen Milliardenauftrag aus Großbritannien erhalten. Die Konzerntochter DHL übernimmt für die kommenden zehn Jahre Logistikleistungen für das britische Gesundheitswesen (NHS) mit einem Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Pfund (umgerechnet 2,3 Milliarden Euro). Postchef Klaus Zumwinkel sagte am Dienstag, die Strategie der Internationalisierung trage nun „eindrucksvolle Früchte“. Aber nicht nur der Konzern profitiert. Die Kosten für die staatliche Gesundheitsbehörde sollen um eine Milliarde Pfund sinken und mehr als 1000 neue Stellen geschaffen werden. DHL betreibt im Auftrag des NHS dessen Sparte NHS Supply Chain und übernimmt 1650 Beschäftigte. Gewerkschaftsvertreter kündigten bereits mögliche Streiks an.

DHL will im Rahmen des britischen Auftrags in den Jahren 2008 und 2012 jeweils ein neues Vertriebszentrum errichten. 600 Krankenhäuser und Gesundheitsdienstleister in England müssen mit zunächst einer halben Million Produkten versorgt werden – von Nahrungsmitteln, über Bettwäsche, Bürobedarf und Verbandsmittel bis hin zu Instandhaltungen.

Eine Unternehmenssprecherin erklärte, DHL habe bereits ein Logistikzentrum für den NHS betrieben und übernehme nun fünf weitere. Laut Zumwinkel hat sich auch die Übernahme des britischen Logistikers Exel im vergangenen Jahr ausgezahlt. Der Zukauf für 5,5 Milliarden Euro war der größte in der Unternehmensgeschichte. Außerdem ist die Post schon über LifeConEx, einem Joint Venture mit der Lufthansa, in der weltweiten Medikamentenlogistik tätig.

Die Börse reagierte verhalten auf das Geschäft. Nach einem Anstieg am Vormittag gab die Post-Aktie bis zum Börsenschluss wieder ab. Am Ende notierte sie bei minus 0,55 Prozent auf 20,05 Euro. Dabei hatte die Post in Großbritannien andere große europäische Logistiker ausstechen können. Allerdings machte der Konzern nur Angaben über den Umsatz und nicht über den zu erwartenden Gewinn. In den vergangenen Wochen war Postchef Zumwinkel wegen seiner Expansionspolitik angegriffen worden. Analysten hatten argumentiert, der Konzern komme mit der Integration der zugekauften Unternehmen offenbar nicht mehr nach.

In Deutschland hat DHL noch keine ähnlichen Verträge mit Krankenhausbetreibern wie in Großbritannien. Im Bundesgesundheitsministerium zeigte man sich allerdings aufgeschlossen für ähnliche Projekte. „Gerade nach den Eckpunkten der Gesundheitsreform gibt es viel mehr Spielräume für Verträge von Krankenkassen mit Dienstleistern“, sagte ein Ministeriumssprecher dem Tagesspiegel. „Da wird sich sehr viel bewegen.“ Krankenkassen könnten zum Beispiel zusammen eine Ausschreibung für bestimmte Hilfsmittel machen und dadurch Einkaufskosten senken.

Bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft hieß es allerdings, in England sei das Gesundheitswesen zentralistisch organisiert. Deshalb könne man die Strukturen des DHL-Geschäfts nicht einfach auf Deutschland übertragen. Beim Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen zeigte man sich ebenfalls skeptisch. Das deutsche Gesundheitswesen sei – schon allein wegen seiner besseren Qualität – nicht mit dem staatlichen System in Großbritannien zu vergleichen, sagte ein Verbandssprecher. In Deutschland sei aber der Druck auf die Krankenhausgruppen gestiegen, kostengünstiger einzukaufen, weil die Vergütung auf Fallpauschalen umgestellt wurde. „Das sorgt für mehr Wettbewerb“, sagte der Sprecher.

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