Deutsche Post : Welche Konsequenzen hat das Ende der Postämter?

Rund 500 Postämter gibt es – noch. Denn die Post will bis Ende 2011 alle ihre Filialen an Einzelhändler abgegeben haben. Welche Konsequenzen hat das?

Andreas Menn[Düsseldorf]

Die gelbe Spielebox wirkt jetzt schon wie aus einer anderen Zeit. „Kinderpost“ steht auf dem gelben Karton, und darunter ist ihr Inhalt abgebildet, nämlich „alles, was ein Postamt jeden Tag so braucht“: Umschläge, amtliche Vordrucke, Formulare, Briefmarken, Stempel, Stempelkissen. Ein Postamt fürs Kinderzimmer. Mit Utensilien aus einer Epoche, die jetzt zu Ende geht.

Ende 2011 nämlich wird die Deutsche Post ihr letztes Postamt in Deutschland schließen. Wie der Konzern am Wochenende bestätigte, sollen die restlichen rund 500 von ehemals mehr als 12 000 eigenen Filialen verkauft werden, um Kosten zu sparen. Das Schaltergeschäft soll an sogenannte Postpartner abgegeben werden – an Einzelhändler also, die sich mit dem Brief- und Paketgeschäft einen Nebenverdienst sichern möchten. Ende 2011 wird es das traditionsreiche Postamt dann endgültig nicht mehr geben. Wer „zur Post“ geht, besucht in Wirklichkeit eine „Partnerfiliale“.


Warum schließt die Deutsche Post AG ihre Filialen?

Der Konzern will Kosten einsparen. Schon seit 1993 hat die Post nach und nach auf das Partnerkonzept gesetzt. Mit der Liberalisierung musste sich die Post Anfang der 90er Jahre ganz neu aufstellen und wirtschaftlicher arbeiten. Zunehmende Konkurrenz im Paketgeschäft zwang sie dazu. Und seit längerem versuchen andere Postdienstleister, die Deutsche Post auch im Briefgeschäft herauszufordern. Dort sinken ohnehin seit Jahren die Umsätze. Denn Internet und E-Mail verdrängen zunehmend den klassischen Brief.

Weil sich die Post mit sinkenden Margen konfrontiert seht, spart sie an Miete und Personal. Partnerfilialen sollen preiswerter arbeiten, weil sie das Geschäft mit Briefmarken und Versand neben ihrem eigentlichen Angebot unter einem Dach abwickeln. Postpartner werden übrigens auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich eingesetzt. Dort hat sogar die Kirche angeboten, Postämter zu übernehmen.


Was passiert mit den Berliner Filialen?

30 Filialen führt die Post heute noch in Berlin unter eigener Regie. Auch sie sollen alle bis Ende 2011 geschlossen werden. Aber nicht ersatzlos. An ihre Stelle sollen Partnerfilialen treten, in denen die gleichen Leistungen wie in den ursprünglichen Läden angeboten werden sollen. Die Zahl der Standorte hat in den vergangenen Jahren laut Konzernangaben sogar zugenommen. Über 200 Filialen gibt es demnach in Berlin und damit 40 mehr als noch vor zwei Jahren.


Was wird mit den Mitarbeitern?

Die Beschäftigten müssen sich nicht um ihre Jobs sorgen. Das sagt zumindest die Post. Das Unternehmen habe mit den Gewerkschaften den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 vereinbart. Den Kollegen würden Tätigkeiten in anderen Bereichen des Konzerns angeboten, heißt es. Die Post hat derzeit noch 115 000 Tarifbeschäftigte.

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass es offenbar das Ziel der Post sei, mit Blick auf auslaufende Tarifverträge eine Arbeitszeitverlängerung auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich durchzusetzen sowie Besitzstandsregelungen und die zum Dezember vereinbarte Lohnerhöhung um drei Prozent zu streichen.


Was ändert sich für die Kunden?

Wer Briefmarken kaufen oder Briefe versenden will, geht in Zukunft nur noch in Schreibwarengeschäfte, Supermärkte, Tankstellen, Bäckereien oder Kaufhäuser. Das kann durchaus von Vorteil sein, weil sich beim Tanken die Post gleich mit erledigen lässt. Viele Kunden befürchten aber, dass die Post mit ihren Filialen auch Standorte und Servicequalität aufgibt. Der Konzern bestreitet das. Für jeden Standort soll ein externer Anbieter gefunden werden, der das Geschäft übernimmt. „Die Filialen werden erst umgewandelt, wenn wir einen Partner gefunden haben“, sagt Postsprecher Gerold Beck. „Es wird einen nahtlosen Übergang geben.“ Auch das Filialnetz soll nicht verkleinert werden. Laut Gesetz darf in Städten keine Filiale mehr als zwei Kilometer vom Wohnort entfernt sein.

Die neuen Partnershops bieten oft längere Öffnungszeiten als die Postämter. Einige Filialen, die sich in Tankstellen befinden, haben sogar 24 Stunden am Tag geöffnet. Die Mitarbeiter würden geschult, sagt der Konzern, damit es keine Einbußen in der Beratung gebe. „Wir schicken regelmäßig anonyme Testkunden los“, sagt Postsprecher Beck. „Das Ergebnis ist, dass der Service unserer Partnerfilialen dem unserer eigenen Filialen in nichts nachsteht.“


Welche Alternativen gibt es zur Post?

Im Paketversand finden Verbraucher schon seit Jahren Alternativen zur Deutschen Post. Die Dienstleister UPS, Hermes, DPD und GLS verschicken Pakete teilweise preiswerter als der gelbe Riese und haben auch eigene Abgabeshops eingerichtet.

In der Briefzustellung ist die Konkurrenz noch weniger breit aufgestellt. Viele Anbieter haben nur lokale oder noch sehr unvollständige Zustellnetze und garantieren den Versand nicht immer für den nächsten Tag.


Wird bald alles nur noch per E-Mail erledigt?

Die E-Mail wird tatsächlich zu einem ernsten Konkurrenten für das klassische Briefgeschäft. Ab dem kommenden Jahr soll die sogenannte De-Mail starten, eine besonders sichere Variante der E-Mail. Dabei registriert sich der Nutzer bei einem zertifizierten Anbieter per Ausweis und zahlt für jeden elektronischen Brief eine Gebühr. Die De-Mail soll rechtsverbindlich sein, so dass Rechnungen, Rentenbescheide, Gewerbeanmeldungen oder Baugenehmigungen nicht mehr per Papierpost verschickt werden müssen.

Was den Behörden und Unternehmen enorme Kosten sparen wird, senkt die Einnahmen der Deutschen Post. Ab dem kommenden Jahr muss sich der Konzern also auf weitere Umsatzeinbußen in der Briefsparte einstellen. Doch in der Bonner Hauptzentrale hat man das Thema nicht verschlafen: Die Post baut bereits ihr eigenes De-Mail-Angebot auf. Dann wird der Gang „zur Post“ vielleicht ohnehin seltener werden. Und die „Kinderpost“ ist endgültig veraltet.

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