Deutsche Post : Wenn Briefe zu lange brauchen

Wo bleibt meine Post? Diese Frage stellen sich immer häufiger Bürger und Unternehmen im ganzen Bundesgebiet. Die Netzagentur prüft derzeit massenhafte Beschwerden über Verspätungen. Die Post wiegelt ab und spricht von Einzelfällen.

Corinna Visser
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Viel zu tun. In den vergangenen Jahren hat die Post immer mehr Personal abgebaut. Der einzelne Zusteller muss daher heute längere...

BerlinBerlin - Die Beschwerden über die Deutsche Post häufen sich. In den vergangenen Monaten haben sich immer mehr Verbraucher darüber beklagt, dass ihre Briefe zu spät ankommen: Mal bleibt der Briefkasten leer, Tage später quillt er dann über. „Die Zahl der Beschwerden hat deutlich zugenommen“, bestätigt eine Sprecherin der Bundesnetzagentur. Der Präsident der Bonner Aufsichtsbehörde, Matthias Kurth, hat sich nun in einem Brief an Post- Chef Frank Appel gewandt und fordert darin eine kurzfristige, nachhaltige und flächendeckende Beseitigung der Mängel bei der Zustellung. Die Post hat eine schnelle Beantwortung zugesagt.

Bei der Verabschiedung der bisherigen Post-Cheflobbyistin Monika Wulf-Mathies bekräftigte Post-Chef Appel am Montag in Bonn, dass die Post auch künftig an sechs Tagen in der Woche Briefe zustellen werde. Er kündigte ebenfalls an, die Post wolle Qualitätsprobleme in der Briefzustellung „zügig abstellen“. Nachfolger von Wulf-Mathies wird Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion

Das Unternehmen bestreitet, dass es ein bundesweites Zustellungsproblem gibt. Schwierigkeiten räumt die Post im norddeutschen Raum (Hamburg und Bremen) und im Rhein-Main-Gebiet ein. Ansonsten komme es lediglich vereinzelt zu Problemen, etwa wegen hoher Krankenstände oder hoher Sendungsmengen. 80 000 Zusteller beschäftigt die Post bundesweit. Wie viele es in Berlin sind, will das Unternehmen aus Wettbewerbsgründen nicht verraten.

Im November hatte Post-Chef Appel angekündigt, dass kurzfristig 1000 neue Zusteller befristet eingestellt würden. Für Berlin bedeutet das 50 neue Stellen. „Die Situation hat sich etwas entspannt“, sagt die Berliner Verdi-Fachbereichsleiterin Benita Unger. Allerdings sei „in keinem Fall eine Vollzeitarbeitskraft eingestellt worden“. Die Ursache für die Qualitätsprobleme seien der massive Personalabbau der vergangenen Jahre. Die Zu steller seien überlastet und schöben eine hohe Zahl von Überstunden vor sich her.

In Berlin jedenfalls, so sagt die Sprecherin der Netzagentur, „gehen nach wie vor Beschwerden ein, und die Zahl ist immer noch hoch“. Die Post verweist jedoch darauf, dass sie die Laufzeiten von einem unabhängigen Institut regelmäßig überprüfen lässt: „Knapp 96 Prozent aller Briefe erreichen am nächsten Tag den Empfänger“, sagt ein Post-Sprecher. Auch in der Weihnachtszeit werde das so sein.

Klaus Barthel, postpolitischer Sprecher der SPD und Mitglied im Beirat der Netzagentur, stößt sich an dem Widerspruch: „Die Kunden beschweren sich, dass tageweise nicht zugestellt wird. Aber in der Laufzeitmessung der Post findet sich das nicht wieder. Mein Eindruck ist, dass das Messsystem nicht stimmt.“ Die Bundesnetzagentur wiederum habe kein eigenes Messsystem und könne die Laufzeiten daher nicht selbst überprüfen. „Ich erwarte zumindest eine Darstellung darüber, wie es dazu kommen kann, dass sich die Ausfälle nicht in der Statistik niederschlagen“, sagte Barthels dem Tagesspiegel. Die Netzagentur müsse den Beschwerdefällen nachgehen. „Dass Herr Kurth einen Brief schreibt, reicht nicht aus.“

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